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Dienstag, 2. August 2016

Offener Brief an alle Körper-Kritiker

Bild: pixabay.de

An alle Lästermäuler, Neidhammel, Figur-Fetischisten, Körper-Kritiker und Hohlnasen: Hört auf damit! Hört auf damit, jeden auf die "Bunte-Waage" zu stellen, jedes Gramm Fett zu viel oder zu wenig zu finden, Busen zu groß oder zu klein, Hintern zu dick oder zu dünn, Nasen zu krumm, Haare zu strähnig, Haut zu großporig.

Sprüche wie "Du hast aber zugelegt", "Du bist zu dürr, iss doch mal was", "Dein Busen ist ja enorm gewachsen", "Der Bauch ist aber ganz schön klein für den 6. Monat", "Boah, ist der Bauch schon riesig" können wir (ja ich spreche einfach mal für alle Betroffenen) nicht mehr hören. Sie sind ungehörig, distanzlos, respektlos, unverschämt und ungezogen!

Hört auf, ungefragt andere Körper zu kommentieren! Und kommentiert niemals - ich wiederhole - NIEMALS den Körper einer schwangeren Frau. Wie dieser sich verändert, ist sowieso kaum zu beeinflussen. Er führt ein Eigenleben, die Natur hat die Regie übernommen. Sie richtet alles so ein, dass ein kleiner Mensch in Ruhe heranwachsen kann. Ja, ich weiß, die Veränderungen können gewaltig und schlichtweg nicht mehr zu übersehen sein. Aber sie sind gut. Sie machen Sinn.

Sowie jeder Körper einen Sinn erfüllt. Darum ist auch jeder Körper gut, so wie er ist - auch wenn er nicht unbedingt dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Es gibt kein Recht auf Schönheit. Und natürlich darf man Körper schön oder hässlich, dick oder dünn finden. Aber eben nicht bei jeder Gelegenheit kommentieren. Nehmt es hin. Busen können riesig sein oder winzig klein. Ärsche voller Cellulite-Dellen oder glatt wie ein Babypopo. Jedes Kind lernt heute im Kindergarten "Es gibt große Menschen, kleine Menschen, dicke Menschen, dünne Menschen." That's life. Das muss man den Betroffenen nicht ständig unter die Nase reiben - sei es aus Gehässigkeit, Neid oder dem schieren Unglauben. Habt Respekt vor Euren Mitmenschen und haltet verdammt noch mal Eure Klappe! Danke.


Montag, 25. Juli 2016

Das Ende der Einschlafbegleitung

Wie ich mich das Schlafverhalten meines Kindes einmal an den Rand des Wahnsinns trieb und ich mich sanft (ehrlich, ich schwöre) von der Einschlafbegleitung verabschiedete. Mein ultimativer 10-Punkte-Plan, der ausdrücklich nicht zum Nachmachen gedacht ist. Ein Erfahrungsbericht zum Thema Kinderschlaf, nicht mehr und nicht weniger.  

Bild: www.pixabay.de

Wer von Euch fleißig mitgelesen hat, weiß, dass das Thema Schlafen bei uns (wie bei vielen Eltern) ein Dauerbrenner ist. Was anfangs problemlos klappte, entwickelte sich immer mehr zum Belastungstest der elterlichen Nerven. Schlafen ging nur noch im Elternbett, Einschlafen nur mit stundenlanger Begleitung und von Durchschlafen wollen wir mal gar nicht reden. Und das alles obwohl die Maus „doch schon 2,5, Jahre alt ist (hier empörte Blicke von Verwandten, Bekannten, Kollegen einfügen).

Mutti pennt im Mädchenzimmer

Ein Ausqurtierungsversuch scheiterte, und damit das hübsch eingerichtete Mädchenzimmer nicht ganz verlassen bleibt (wozu haben uns eigentlich die Mühe gemacht, noch vor der Geburt ein Kinderzimmer einzurichten? – wir Anfänger, wir) bin ich zwischenzeitlich dort eingezogen. Anfangs um dem Geschnarche des Mannes zu umgehen und der Schwangerschaftsübelkeit ungestört frönen zu können – mittlerweile habe ich allerdings Geschmack am Alleineschlafen gefunden. Das Ende vom Lied: Mann und Maus teilen sich das Ehebett, Mutti pennt in der rosa-roten Mädchenhölle, und die aktuelle Einschlafzeit der Maus liegt bei 21.30 Uhr. Ein Masterplan musste her und zwar schnell.

Was störte mich am meisten? Dass die Maus immer noch im Elternzimmer schläft eigentlich gar nicht mal sehr. Allerdings hätte ich sie schon gerne im eigenen Bett, da es zu dritt doch recht eng auf 160 Zentimetern Breite werden kann (und ich plane doch irgendwann aus dem Mädchenzimmer ins Elternbett zurückzukehren). Am meisten nervte mich die stundenlange Einschlagbegleitung (Beruhigungmusik, Hypnose-CD und –Geschichte zeigten leider keine Wirkung). Obwohl diese immer friedlich und ohne Gequengel ablief,nagte sie an meinen Nerven. Diese Zeit hätte ich doch gerne nur für mich gehabt. Me- Time, Freizeit, Feierband eben. Den Mittagsschlaf einfach wegzulassen funktionierte bei uns leider nur am Anfang. Sie braucht zwar auch hier ewig lange zum Einschlafen und schläft dann zu lang, weil unweckbar, aber wenn wir ihn weglassen, haben wir nachmittags ein total anstrengendes Trotz- und Quengelkind. Dann lieber Party bis Mitternacht.

Der Masterplan

Nach der Lektüre diverser Schlafratgeber war mir klar: Trainingsprogramme alà Schreienlassen (oft auch gerne als sanfte Methoden angepriesen) kommen nicht in Frage. Ich hörte auf mein Bauchgefühl und probierte es auf meine Art, die Maus zum Alleineschlafen zu animieren. Hier ist mein "Masterplan" (Achtung: ich schreibe das nicht, um zu bewiesen, wie toll alles bei uns klappt, um anderen meine „Methoden“ aufzuschwatzen oder um andere schlecht zu machen. Ich möchte ganz einfach meine Erfahrungen teilen.)

Im Nachhinein entpuppte sich mein Ansatz als (mehrmonatiger) „Stufenprogramm“. So lief es bisher ab:

  1. Step: Ich ermutigte die Maus in ihrem eigenen Bettchen zu schlafen, versprach ihr aber währende des Einschlafens ihr Hand u halten – und tat das dann natürlich auch.
  2. Step: Als das eine Weile gut klappte, sagte ich ihr, dass meine Hand weh tun würde, wenn ich sie so weit und so lange ausgestreckt in ihr Bett halten würde (keine Lüge) und schlug vor, es doch ohne Händchenhalten zu versuchen. Oh Wunder, sie willigte ein.
  3. Step: Ich rückte weiter von ihrem Bett weg
  4. Step: Ich verließ das Zimmer. Halt: So einfach klappte das leider nicht. Der Protest war groß! Zunächst gab ich vor, nur kurz was erledigen zu müssen und kehrte jedes Mal rasch zurück. Aber die Maus schlief erst ein, wenn ich mich dauerhaft neben sie legte. Also ändert ich die Taktik und ging direkt zum
  5. Step: Ich legte mich mit einem Buch ins Nebenzimmer und sagte ihr, dass ich unbedingt was lesen möchte (mittlerweile bin ich zu Netflix umgeschwenkt), ich aber in Hörweite sein und sie mich einfach rufen könne, sollte was sein. OMG! Das war bzw. ist der härteste Part. Denn dieses Angebot nahm sie nur zu gerne an. Sie rief nach mir, sobald ich außer Sichtweite war und ich trottete jedes mal brav zurück. Das ging so ca eine Trillionen Mal. Dann war Ruhe und die Maus alleine eingeschlafen. Halleluja!!
  6. Step: Das ewige Hin- und Hergerenne wurde mir irgendwann zu anstrengend, also sagte ich ihr (nachdem ich das Spiel so ca 2 Wochen mitgemacht hatte), dass ich jetzt nicht mehr sofort zu ihr komme, sondern nur noch im „Notfall“, also wenn sie Angst hat oder irgendwas dringendes von mir braucht. Ansonsten könnten wir uns ja auch von Zimmer zu Zimmer unterhalten. Ich würde aber auf jeden Fall nach ihr sehen, sobald sie eingeschlafen sei. Erstaunlicherweise klappte das sehr gut. Wir brüllten also fortan von Raum zu Raum.
  7. Step: Auch das wurde auf Dauer etwas anstrengend. Also sagte ich ihr, dass ich nicht mehr so viel reden könne, da ich selbst sehr müde sei und schlafen wolle. Das klappt mal mehr mal weniger gut. Aber immerhin muss ich jetzt nicht mehr stundenlang neben mit sitzen, sondern kann lesen oder fernsehen, habe also etwas Me-Time zurück. 
Tja, und da stehen wir jetzt. Zu mehr Schritten bin ich noch nicht gekommen. Aber vorgenommen habe ich mir noch folgende Steps (die ich aufgrund von akuter Schwangerschaftsmüdigkeit noch ein wenig vor mir herschiebe…)

8. Step: Nach unten ins Wohnzimmer gehen und fortan mit der Maus von Etage zu Etage brüllen (hat sogar schon einmal – ganz ohne brüllen – geklappt)
9. Step: Das Brüllen einstellen.
10. Step: Die Maus ins eigene Zimmer ausquartieren und meinen Platz im Ehebett zurückerobern (und das ganze Spiel vermutlich von vorne beginnen lassen… ;)



Aber vorerst bin ich mit der jetzigen Einschlafsituation ganz zufrieden – auch wenn es immer noch sehr lange dauert, bis die Maus endlich zur Ruhe kommt. Für alles andere fehlt mir momentan einfach die Kraft.

Und wie handhabt Ihr das Einschlafen so? Händchenhalten oder Schreien lassen? Oder irgendwas dazwischen? Schreibt mit Eure Erfahrungen gerne in die Kommentare.

Mittwoch, 13. Juli 2016

Über Lob, Tadel und Nicht-Erziehung: Meine Gedanken zum Thema Kindererziehung

Neulich in der Twitter-Bubble: eine hitzige Diskussion über unerzogene Kinder, nicht lobende Eltern und die Gefahren der Konditionierung. Die bezaubernde Mo von 2KindChaos hat dazu bereits vor einiger Zeit einen wunderbaren, nun wieder sehr aktuellen Blogpost geschrieben, den ich voll und ganz unterschreiben kann. Auch die Öko-Hippie-Rabenmutter hat dazu ihre Meinung (mehr Beiträge unten).  Nun möchte ich auch meinen Senf dazugeben.


Bild: pixabay.de
Wann ist es eigentlich aus der Mode gekommen, seine Kinder zu erziehen? Seit wann ist Loben verpönt? Und was ist so gefährlich am Bauchgefühl? Zugegeben, ich bin kein Pädagoge, Bindungsforscher oder Entwicklungspsychologe. Ich habe nicht die gesamt Jesper-Juul-Reihe auswendig gelernt, aber auch ich habe so das ein oder andere zum Thema kindliche Entwicklung und Erziehung gelesen. Und ja: ich vertraue oft auf mein Bauchefühl und "mache einfach", statt mich erst einmal schlau zu lesen. Darum kann ich den Trend zu Nichterziehung nicht ganz verstehen.

Erziehung: eine Definitionsfrage

Ich finde Erziehung wichtig und richtig. Vielleicht ist das aber auch eine Definitionsfrage. Ich verstehe unter Erziehung nicht das Ziehen des Kindes in die eine oder andere Richtung, das Dressieren von kleinen Menschen, die lernen sollen, zu funktionieren. Für mich ist Erziehung eine liebevolle Begleitung beim Heranwachsen. Es bedeutet, Raum zu geben, sich zu entwickeln und seine Persönlichkeit zu entfalten. Aber auch, hin und wieder zu lenken, die Welt zu erklären und zu zeigen, wie man in ihr klarkommt. Das beinhaltet für mich ganz klar auch ein gewisses Maß an Autorität. Ich respektiere die Persönlichkeit und die Bedürfnisse meines Kindes, aber, sich sage auch "wo es lang geht". Hey, ich bin Mutter und damit auch der Boss! Ich stelle Regeln auf und achte darauf, dass sie eingehalten werden. Denn ohne Regeln, kann keine Gesellschaft - auch nicht ihre kleinste Keimzelle, die Familie - funktionieren.

Wer ist hier der Boss?

Das bedeutet nicht, dass ich in bester Feldwebelmarnier herumkommandiere und sinnlose Gesetze aufstelle. Meine (zugegeben eher wenigen) Regeln sind flexibel, ich passe sie der Situation an und ändere sie gegebenenfalls. Und es gibt Ausnahmen. Aber dennoch habe ich (natürlich auch mein Mann) das letzte Wort. Wenn es Zeit ist, Zähne zu putzen, ist es Zeit Zähne zu putzen. Da gibt es keine Diskussionen. Und ja, manchmal bin ich auch ein bisschen oldschool. Beim Betreten der Wohnung werden die Schuhe ausgezogen, vor dem Essen die Hände gewaschen und die Wände nicht mit Filzmaler beschmiert. Wenn die Maus im Sandkasten mit der Schaufel um sich schlägt, wird die "getadelt" (oh Gott, da ist es wieder, das böse Wort). Ich zeige Grenzen auf - von Strafen im Sinne von "ohne Abendbrot ins Bett", Fernsehverbot etc. halte ich nichts. Aber es gibt Konsequenzen. Schlägt die Maus wiederholt mit der Schaufel um sich, sage ich ihr, dass sie, wenn sie nicht damit aufhört, aus der Sandkiste kommen muss, und setze das dann auch in die Tat um.

Ich lobe

Ebensowenig halte ich etwas vom "Fleißpunkte-Prinzip" ala für jede gute Tat gibt es Sternchen ins Heft, ein Lolli oder Eis etc. (Was nicht heißt, dass ich mein Kind nicht auch schon "bestochen" hätte, ich bin ja auch nur eine Mutter mit manchmal sehr dünnen Nerven). Ich finde, Kinder sollen nicht lernen, nur etwas für eine Gegenleistung zu tun. Aber: ich lobe. Und zwar nicht (vorrangig), weil ich ein gewünschtes Verhalten erzielen will (Konditionierung), sondern, weil ich es ehrlich so meine, weil ich mich freue und stolz bin auf die Leistung meines Kindes. Wenn die Maus freudestrahlend und Stolz wie Bolle mit einem selbst gemalten Bild zu mir gerannt kommt, dann kann ich einfach nicht anders: ich lobe. "Das ist aber ein schönes Bild, danke!" Und ich meine es dann genauso so. Das ist echt ein schönes Bild, mein Kind kann toll malen.

Konditionierung hin oder her

Ja, ich bin eben echt begeistert von meiner Tochter. Konditioniere ich sie jetzt damit? Bringe sich sie durch mein Loben dazu, ständig neue Bilder zu malen, um Aufmerksamkeit zu bekommen? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich meinem Kind auch so genügend Aufmerksamkeit gebe. Und ein: "Aha interessant, was soll das denn sein, die Figur sieht mir aber gar nicht ähnlich", kommt mir zugegebenermaßen nur sehr schwer über die Lippen. Ich sehe das so wie Mo: Jeder freut sich doch über Lob. Lob ist wichtig für das Selbstvertrauen (es gibt natürlich auch noch andere Dinge, die dazu beitragen, ich weiß). Mir ist auch klar, dass ich nicht jeden Pups lautstark beklatsche und den ganzen Tag jubelnd hinter meinem Kind hinterherrenne. Gewisse Dinge sollten irgendwann eine Selbstverständlichkeit sein und müssen nicht bejubelt werden. Wenn mir mein Mutterherz aber sagt, "Das ist toll, das hat sie ganz wunderbar gemacht", dann sage ich das auch.
Übrigens: Meine Tochter weigert sich immer noch jeden Abend konsequent ihr Mündchen zum Zähneputzen aufzusperren, obwohl ich sie lobe, wenn sie es dann doch tut. In diesem Fall ist mein Lob wohl doch eine bewusste Konditionierung, die aber nicht funktioniert. Denn ja, manchmal denke ich mir natürlich auch: Lobe ich das gewünschte Verhalten, zeigt sie dies vielleicht öfter. Ist das wirklich so verwerflich?

Vielleicht habe ich ja das Prinzip der "Nicht-Erziehung" und des "Nicht-Lobens" falsch verstanden. Dann korrigiert mich bitte. Was mir aber am Herzen liegt ist folgendes: Man kann erziehen und gleichzeitig, die Persönlichkeit des Kindes achten. Man kann loben, ohne dass sich das Kind in ein berechnendes Monster verwandelt. 
Hört doch ab und zu wieder auf Euer Bauchgefühl. Und wenn Euer Mutterherz vor Stolz zu platzen scheint, weil das Kind ein krakeliges Strichmännchen zu Papier gebracht hat, dann äußert dieses Gefühl und lobt! 

Es richtet bestimmt keinen Schaden an...

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