Samstag, 27. Dezember 2014

Weihnachtswahnsinn und 1. Geburtstag - ein Drama in drei Akten

Alles begann so ruhig, ja fast schon besinnlich. Trotz Last-Minute-Shopping-Aktion lagen pünktlich am Heiligabend alle Geschenke ordentlich verpackt unterm Tannenbaum, der Kühlschrank war gefüllt und das Übernachtungsköfferchen für den Eltern- bzw. Großelternbesuch gepackt. Die Maus machte ohne murren einen ausgiebigen Mittagsschlaf, was mir Zeit bescherte,  mich mit einer Ladung Zimtsternen und ein paar schwedischen Kinderserien im Fernsehen in Weihnachtsstimmung zu bringen. Währenddessen schnorchelte der Mann gemütlich auf dem Sofa. Ach, da war die Welt noch in Ordnung. Was dann folgte war Weihnachtswahnsinn in drei Akten.


1. Akt: Heiligabend 

Mit nur ein wenig Verspätung kamen wir abends bei meinen Eltern an, wo die gemeinsame Bescherung stattfinden sollte. Und ab da, war es dann mit der Besinnlichkeit schlagartig vorbei.  Das Geschenkeauspacken war turbulent und nahm einige Zeit in Anspruch, war aber durchaus erträglich. Es waren nicht zu viele, dafür aber die von mir beim Weihnachtsmann bestellten, tollen, vor allem leisen,  Kindergeschenke, kein lärmender Plastikschrott. Trotzdem ging irgendwie alles drunter und drüber, Ich musste meine Maus regelmäßig in den Bergen von Geschenkpapier suchen, in die sie sich mal mehr mal weniger freiwillig einwickelte.

Beim Essen sollte es dann so richtig gemütlich werden, doch davon hielt meine Tochter leider nicht viel. Äußerst energisch und lautstark trieb sie in ihrem Hochstuhl sitzend meine Mutter am Herd zur Eile an, die dann in Windeseile das vorbereitete Festmahl auf den Tisch brachte. Dem Gesichtsausdruck meiner Tochter nach zu urteilen, schien dieses auch vorzüglich zu munden, leider kam ich selbst kaum zum kosten. Denn das Raubtier musste gefüttert werden - und zwar am besten im Eiltempo ohne Zeit, mir einmal selbst die Gabel zum Mund zu führen. Da sie zusätzlich schon sehr müde wurde (obwohl wir zeitig dran waren), musste alles doppelt so schnell gehen. Während ich also mit knurrendem Magen und mit Schweißperlen auf der Stirn das hungrige Mäulchen stopfte, schaufelte sich mein Göttergatte in Seelenruhe genüsslich eine Roulade nach der anderen rein. Mein Leibgericht! Ich kochte innerlich. Schließlich war mein Plan ein ganz anderer gewesen. Ich wollte die Maus mit Milchbei abspeisen und dann vor unserem Abendessen ins Bett bringen. So würde auch ich mal in den Genuss eines ruhigen, ausgiebigen Essens kommen - dachte ich. Doch mein Mann dachte anders, warf mir Egoismus vor, wollte seine Maus unbedingt mit an der Feststafel und im Kreis der Familie haben. Irgendwie verständlich, also gab ich nach. Doch statt mich beim Essen möglichst weit weg vom Kinderhochstuhl zu platzieren und ihm die Raubtierfütterung zu überlassen, nahm ich wie selbstverständlich neben meiner Tochter Platz und verfiel in die altvertraute Mutterolle. Selbst Schuld.

Noch vor dem Dessert war die Maus dann so hinüber, dass ich sie ins Bett bringen musste. Wenigstens könnte ich dann in Ruhe den Nachtisch verspeisen, hoffte ich. Doch auch hier hatte mein Kind andere Pläne. Sie war so überdreht, dass es Ewigkeiten dauerte, sie zum Schlafen zu bringen. Jedes Mal wenn ich mich raus schleichen wollte, weil ich dachte, sie schliefe tief und fest, wachte sie brüllend auf und ich huschte sofort wieder zurück ins Bett und stellte mich schlafen. Das exerzierten wir ganze vier Mal durch - mittlerweile waren 2 Stunden vergangen und ich wurde immer wütender und wütender. Ich wollte endlich essen, verdammtnochmal!! Irgendwann gab ich auf und stapfte wütend die Treppe runter. "Dann brüll doch", dachte ich zornig.  Da kam mir schon mein Mann auf der Treppe entgegen. Mit einem überlegenem Lächeln, das aussagte "Lass mich nur machen, ich krieg das schon hin", schob er sich an mir vorbei, doch ich hielt ihn zurück. "Jetzt brauchst du auch nicht mehr helfen", schnauzte ich ihn an. Was folge, war ein ziemlich heftiges Wortgefecht, das damit endete, dass sich mein Mann beleidigt ins Wohnzimmer zurückzog. Zum Glück schlief die Maus wenigstens inzwischen.

Mittlerweile war mir der Appetit vergangen und ich zog es vor, meinen Frust in Weißwein zu ertränken. Keine gute Idee. Angestachelt vom Alkohol stritten wir immer weiter, inzwischen waren wir beim Thema Geld, meine Unfähigkeit zu rechnen und mit diesem umzugehen angekommen. Dieses Mal war ich diejenige die beleidigt den Raum verließ und mich schmollen neben meine Tochter ins Bett legte.


2. Akt: 1. Weihnachtsfeiertag 

"Es kann ja nur besser" werden, dachte ich mir beim aufwachen und startete optimistisch in den 1. Weihnachtstag. Die Maus hatte blendend und lange, bis halb neun, geschlafen, und war bester Laune. Und nach einem ausgiebigem Frühstück stieg auch meine. Ich freute mich auf einen entspannten Tag, leckeres Essen und friedliche Stimmung. Doch dazu sollte es auch an diesem Tag nicht kommen. Wie aus dem Nichts bekam die Maus plötzlich sehr hohes Fieber und war von jetzt auf gleich komplett schachmatt, ja geradezu apathisch. Dazu machten sich noch unzählige rote Flecken auf ihren Oberkörper breit. Natürlich hatte ich kein Fiebermittel dabei, also packten wir eifrig unsere sieben Sachen zusammen (vergaßen dabei natürlich die Hälfte) und beschlossen statt nach Hause gleich in die kinderärztliche Bereitschaftspraxis in die Kinderklinik zu fahren. Nach einer Stunde Fahrt dort angekommen stellten wir fest, dass anscheinend auch alle anderen Familien im Umkreis die gleiche Idee hatten und machte es uns so gut es ging im heillos überfüllten Wartezimmer gemütlich. Wo hin mal auch sah, apathische, fiebernde Babys und Kleinkinder im Arm ihrer Eltern, einige weinten, einige schliefen, einige spuckten. Da ich mein Portmonee mit Mausis Krankenkarte vergessen hatte, musste mein Mann zurück nach Hause fahren, um sie zu holen, Ich bat ihn, gleich auch noch einen Plastiklöffel mitzubringen, damit ich meiner Maus wenigstens das mitgebrachte Obstgläschen geben konnte. Schließlich war schon längst Mittagszeit. Nach 30 Minuten war Mann dann zurück, mit Karte aber ohne Löffel. Also machte er sich im Krankenhaus auf die Suche nach eben einem solchen. Ganze 20 Minuten dauerte diese Odyssee. Plastiklöffel scheinen Mangelware in Krankenhäusern zu sein.  Inzwischen war Mausi auf meinem Arm eingeschlafen. Das zuvor von der Schwester verabreichte Fiebermittel schien endlich zu wirken. (Ich musste mich übrigens von der anscheinend sehr übellaunigen Empfangsdame anpappen lassen, warum ich meinem Kind nicht zu Hause schon etwas gegen Feber gegeben hatte. "WEIL ICH 1. NICHT ZU HAUSE WAR UND 2. NICHTS DABEI HAB!!" Unfreundlich kann ich übrigens auch.)

Nach 2,5 Stunden Wartezeit erwachte Mausi und schien plötzlich spontan gesundet. Auch der nörgelnde Junge neben uns, der zuvor auf dem Arm seiner Mutter gefiebert hatte, sah auf einmal aus wie das blühende Leben. Die beiden spielten und kicherten, und ich war schon drauf und dran wieder nach Hause zu fahren. Aber zu Glück waren wir dann endlich dran und durften ins Untersuchungszimmer. Nach ca. 2,5 Minuten Behandlung, diagnostizierte die diensthabende Ärztin einen harmlosen Erkältungsvirus und entließ uns nach Hause. Da wir ja nun nicht mehr in den Genuss eines Weihnachtsessen gekommen sind, machten wir auf dem Rückweg bei McDonald's Halt und beschlossen den 1. Weihnachtstag mit einem weihnachtlichen Burgermenü. Ich war frustriert und träumte derweil vom Festbraten meiner Mutter, der mir entgangen war.


3. Akt: 2. Weihnachtsfeiertag und 1. Kindergeburtstag

Der 2. Weihnachtsfeiertag war gleichzeitig auch der 1. Geburtstag meiner Maus, die zum Glück fieberfrei geblieben war.  Ich hatte mir eine ruhige, entspannte Familie im engsten Familienkreis vorgestellt. Flugs eine TK-Torte aufgetaut, ne Kanne Kaffee gekocht - das war's. Dachte ich mir.  Doch mein Mann dachte anders. Da seine in England lebende Schwester mit ihrem Mann und zwei kleinen Söhnen im Land war, wollte er ein großes Familientreffen mit viel Essen. Zum Glück kann er kochen-  und das tat er dann auch. Stundenlang. Und scheuchte mich dabei wie ein Oberfeldwebel umher, um ihm zu assistieren. Angeblich ist der Ton in Restaurantküchen so rau. Aber doch nicht bei mir zu Hause! Egal, ich putzte inzwischen lieber das Badezimmer. Denn das letzte Mal, als seine Schwester bei uns zu Besuch war, brachte sie, ein bekennender Hygienefreak, ihre eigenen Putzmittel mit, da sie es nicht reinlich genug bei uns fand. Dieses Mal wollte ich ihr (und anderen Bakterien) keine Angriffsfläche bieten.

Nach stundenlanger Putz- und Kochaktion war gegen 15 Uhr alles duftend und sauber und die Gäste konnten kommen. Neben meinen Eltern,  meinem Bruder, meinen beiden Schwägerinnen mitsamt Familienanhang, ein paar Nachbarmädchen, dem Nachbarbaby plus Großeltern kamen dann auch noch ein paar unangemeldete Besucher. Tja, da wären wir mit meiner Benjamin-Blümchen-Geburtstagstorte tatsächlich nicht weit gekommen.  Während des Essens handelte ich mir dann ein paar dumme Sprüche von meinen Schwägerinnen ein,  da ich meiner Tochter keinen Kuchen und keine Kekse geben wollte. Noch ist es mir nämlich gelungen, sie von Süßigkeiten freizuhalten. "Das arme Kind, was ihr alles entgeht", so die Meinung meiner lieben Verwandtschaft.

Eine andere Diskussion entbrannte um das Thema Facebook-Fotos. Ich bat Schwägerin Nr. 3, keine Fotos von mir und meiner Maus dort zu posten, was sie jedes Mal ignoriert.  Es kam zum Streit, seitdem herrscht Funkstille.

Insgesamt war die Feier aber trotz allem ganz nett. Mir zwar viel zu laut und zu trubelig, aber die Kleine hatte - trotz Kuchenverbots - ihren Spaß. Leider hat sie nun auch ganz viele doppelte und dreifache und Plastikschrottgeschenke, aber auch das nehme ich mittlerweile mit Humor.  Ein Teil wird einfach bei der Oma deponiert, dann hat sie dort auch genügend zu spielen. Schade nur, dass so viele sich nicht an das gehalten habe, was ich auf Frage nach Geschenkwünschen geantwortet habe.

Nachdem die Gäste gegangen waren, haben mein Mann und ich dann noch 2 Stunden geputzt, nun sieht es hier annähernd wieder so aus, wie vor den Feiertagen. Dafür bin ich nun reif für die Insel. Überlege, ob ich noch ein paar Tage mit der Maus zu meinen Eltern fahre und ein wenig Weihnachten nachfeiere. Aber wirklich nur im kleinsten Kreis. Zum Glück dauert es noch ein Jahr bis zum nächsten Weihnachtswahnsinn.



Dienstag, 23. Dezember 2014

Die Sache mit der Sauberkeit oder: Wann lernt mein Kind endlich Tischmanieren?

Ich gebe es zu, ich habe es gerne ordentlich. Ich mag es einfach, wenn alles an seinem Platz steht. Auch saubere Böden, Fenster und Schränke finde ich irgendwie anziehend. Meine Tochter scheint diese Vorliebe leider nicht zu teilen. Seitdem sie krabbelt - und noch schlimmer - seitdem sie richtig mit am Tisch isst, herrscht bei uns zu Hause das Chaos.

Mittlerweile sieht unsere Wohnung so aus, wie die von Leuten, bei denen ich früher immer gedacht habe: "So willst du aber nicht leben." Dabei habe ich mich an herumliegendes Spielzeug, überquellende Windeleimer, fettige Handabdrücke auf Hochglanzfronten und zeitweise ausquartieren Dekoartikel längst gewöhnt. Auch dass man nicht mehr unbedingt vom Boden essen kann (ehrlicherweise konnte man das noch nie so gut) ist kein Problem für mich. Was mich aber so richtig fertig macht, ist die Tatsache, dass ich nach jeder Mahlzeit im Prinzip neu renovieren könnte.

Meine Maus liebt es, im Essen rumzumatschen. Am liebsten rührt sie mit ihren Patschhändchen in ihrem Abendbrei und verteilt ihn großzügig auf die Tischplatte. Die Masse wird dann hingebungsvoll ins Holz einmassiert (wer weiß, vielleicht ist dies ja eine besonders pflegende Möbelpolitur.) Zusätzlich klatscht sie einige Handvoll auf den Boden und an den Hochstuhl. Ihre Hände badet sie übrigens auch sehr gerne in purer Vollmilch - und zwar die in ihrem Milchbecher. Ich muss nicht erwähnen, dass die Hälfte davon überschwappt und kleine Milchpfützen auf Esstisch und Fußboden bildet.  Brotstücke fliegen - natürlich mit der Frischkäseseite nach unten- im hohen Bogen von ihrem Teller. Und Reis und Nudeln isst meine Tochter am liebsten mit der Hand - oder, wenn sie besonders gut drauf ist - wie ein Hund mit dem Mund direkt vom Teller.

Breireste können ja so hartnäckig sein

Es dauert jedes Mal eine kleine Ewigkeit, die Spuren des Essens zu beseitigen. Breireste können ja so hartnäckig festkleben. Im Restaurant krabble ich kurz vor dem Bezahlen immer unter den Tisch, um die eingespeichelten Speisereste aufzuklauben. Von dem was da unterm Tisch liegt, werden andernorts ganze Großfamilien satt.



Ich bin schwer genervt. Aber was soll ich tun? Verbiete ich die Schmiererei, tritt Töchterchen in den Hungerstreik, öffnet ihr Mäulchen nicht oder aber schreit hysterisch herum. Außerdem habe ich gelesen, dass das sinnliche Entdecken des Essen ja so wichtig sei für die Entwicklung. Und dazu gehört eben auch manschen. Aber wo sind die Grenzen? Ich versuche nun zu tricksen, drücke ihr immer eben extra Löffel in die Hand, fülle ein wenig von ihren Essen in ein extra Tellerchen und lasse sie dann alleine essen und schmieren. Trotzdem endet auch dies meistens in einer riesigen Sauerei.

Ich bin hin- und hergerissen zwischen machen lassen und hinterher stundenlang wischen und rigoroses unterbinden. Darum nun meine Bitte an alle erfahrenen Mamis.Wie habt ihr das gehandhabt? Waren oder sind eure Kind auch solch kleine Ferkelchen? Freue mich über ein paar Erfahrungsberichte, Tipps und Tricks. Bis dahin schwinge ich wohl noch ein wenig den Putzlappen. Oder streiche am besten die Wände ganz neu. Da landet nämlich auch gerne mal die ein oder andere Portion. Am häufigsten natürlich Karotten- oder Tomatenmatsch. Das sieht man wenigstens gut.


Montag, 15. Dezember 2014

Gleichberechtigung: Gilt die auch für Eltern?

Ich halte mich für eine durchaus emanzipierte Frau, für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau eine Selbstverständlichkeit ist. Doch allmählich kommen mir Zweifel, ob das mit der Gleichberechtigung wirklich so realistisch ist.

Rein juristisch haben in Deutschland Frau und Mann vor dem Gesetz zwar die gleichen Rechte, Schaut man aber mal in einen gewöhnlichen Haushalt mit kleinen Kindern, sieht die Sache schnell ganz anders aus. Kaum ist ein Baby da, mutiert die eins so erfolgreiche Karrierefrau zum Muttertier und bleibt zu Hause. Papi lässt sich bekochen und wird immer mehr zum Pantoffelhelden.

Auch ich habe mich freiwillig dazu entschlossen, ein Jahr im Job zu pausieren, um mich Vollzeit um mein Kind kümmern zu können. Dass ich damit aber automatisch in die Rolle der Hausfrau rutsche, die neben Windelwechseln und Breikochen auch noch die Befüllung des Kühlschranks und die Reinigung des Familienklos zu verantworten hat, war mir - naiverweise  ich gebe es zu - nicht bewusst.  Schließlich ist der Mutterjob doch zeitfüllend genug, oder? Nachdem ich die ersten Monate also stillen(den) Protest geübt habe (Stillen ist aber auch wirklich ein harter Job) und nur fürs Baby da war, wurde ich von einem Tag auf den anderen auf den harten Boden der Realität geworfen.

"Jammern nützt nix"

Mein Mann, ein Restaurantbesitzer, hatte die ersten fünf Monate im Job deutlich kürzer getreten und einen tadellosen Hausmann aufs Parkett gelegt. Wegen interner Probleme musste er dann aber dummerweise von heute auf morgen wieder zurück in sein Restaurant. Und das bedeutet, arbeiten zu allen unmöglichen Tages- und Nachtzeiten. Es ist, wie es ist und jammern nützt nix, sagte ich mir und versuchte, mich mit der Situation irgendwie anzufreunden. Ich lernte kochen (auf Dauer sind Tiefkühl-Pizzen doch etwas eintönig, und das Kind braucht ja irgendwann auch mal was anständiges zwischen die Zähnchen), schrubbte fleißig die Zahnpastaflecken vom Badezimmerspiegel und übte mich sogar ein wenig in Gartenarbeit.

Wer das vor der Geburt des Babys alles gemacht hat? Gartenarbeit ehrlich gesagt niemand von uns (so sah der Garten äh Urwald aber auch aus). Und da wir beide beruflich sehr eingespannt und fast nur außer Haus waren, blieb kaum Zeit für große Hausverwüstungen. Die Küche blieb auch fast immer kalt, gegessen wurde im Restaurant. Und dass bisschen Dreck das dennoch anfiel, wischte einmal die Woche die geliebte Reinigungsfee weg.  Die gute Fee haben wir übrigens immer noch, das erleichtert das Ganze dann doch ein wenig.

Die Beziehung litt

Dennoch blieb genug Hausfrauenarbeit für mich übrig - und eine Zeitlang, ich gebe es zu, ging ich sogar in diese für mich neue Aufgabe auf. Doch irgendwann stellte sich der Alltagsfrust ein. Da mein Göttergatte zudem kaum noch anwesend war, fühlte ich ich immer mehr wie die verheiratete Alleinerziehende.  Plötzlich war er raus aus der Sache mit dem Haushalt und den Kinderpflegetätigkeiten und ich die "Frau im Haus". Plötzlich klebte alles an mir. Und ich hatte niemanden,  dem ich abends mal ein schreiendes Kind in den Arm drücken konnte. Denn abends war ich immer allein. Auch die Nachtschichten übernahm ich. Kam mein Mann spät nach Hause verkrümelte er sich zum Schlafen ins leere Kinderzimmer (Maus schläft an meiner Seite) und es war an mir, Fläschchen zu machen und im Halbschlaf Gute-Nacht-Lieder zu summen, damit Mausi schnell wieder zurück in den Schlaf findet. Morgens musste ich mich leise nach unten schleichen, denn Papa muss ja noch schlafen. Gemeinsame Familienfrühstücke fielen damit logischerweise aus.

Ich war derart frustriert, dass ich mich immer mehr in eine nölende Zicke verwandelte. Unsere Beziehung litt.

Hilfe muss sein

Mittlerweile habe ich mir Unterstützung organisiert und fühle mich ein wenig besser. Einmal die Woche springt meine Mutter (wohnt leider nicht um die Ecke) als Babysitter ein, einen Abend die Woche bleibt mein Mann zu Hause und bringt das Töchterlein ins Bett, sodass ich zum Yoga kann, sonntags versuchen wir zusammen als Familie Zeit zu verbringen und  am Abend bleibt mein Mann zu Hause und guckt mit mir zur Liebe Tatort. Ab und zu gehen wir sogar abends alleine aus. Nächstes Jahr werden wir das noch intensivieren, suchen gerade dafür einen Babysitter.

Es geht also langsam aufwärts, dennoch bleiben die Zweifel. Kann man als Eltern gleichberechtigt nebeneinander leben? Was ist wenn ich wieder arbeite? Bleibt dann automatisch der Haushalt an mir kleben? Kann mein Mann mich mit seinem Gastrojob am Hals überhaupt unterstützen? Sind Mütter immer diejenigen, die zu Hause und bei der Kindererziehung mehr leisten. Was sind Eure Erfahrungen dabei? Freue mich über Eure Kommentare.

Freitag, 12. Dezember 2014

Das große Weinen oder: Krippenkoller Teil 2

Nachdem die Maus die "Seuche" (Hand-Fuß-Mund-Krankheit) überwunden hatte, ging es diese Woche zurück in die Krippe. Wir sind nun in der vierten Krippenwoche und so langsam mit der Eingewöhnungsphase durch. Dachte ich. Schließlich zeigte sich Töchterlein in den ersten zwei Wochen überaus begeistert von den neuen Spielmöglichkeiten, und ich ging davon aus, dass sie sich schon nach wenigen Tagen dort heimisch fühlen würde. Doch kaum war das Neue nicht mehr ganz so neu, fing die morgendliche Heulerei an. Jetzt, nach krankheitsbedingter Auszeit, hat das große Weinen seinen Höhepunkt erreicht.

Wenn sie morgens mit mir auf dem Arm den Gruppenraum betritt, schaut sie sich noch ganz neugierig um. Setze ich sie dann ab, kommt sie sofort angekrabbelt und will zurück auf den Arm. Nach der betont fröhlichen (und vermutlich sehr schlecht geschauspielert) Verabschiedung meinerseits drücke ich sie ihrer Bezugserzieherin in den Arm und das Drama beginnt. Zuerst werden die Ärmchen nach mir ausgestreckt, dann folgt eine herzzerreißende Schrei- und Weinattacke gepaart mit einer bedrohlich aussehenden Dunkelrotfärbung ihres (Dick-)Kopfes. Immer noch bemüht fröhlich, winke ich ihr zu und verlasse hastig den Raum. Dabei klopft mir das Mutterherz bis zum Hals, Angstschweiß bricht aus allen Poren und das schlechte Gewissen frisst sich wie ein ätzendes Gift langsam durch den Körper. Spätestens auf der Rückfahrt im Auto bin auch ich in Tränen aufgelöst und stelle meinen Entschluss, nach einem Jahr als Teilzeitmutter wieder arbeiten zu gehen, sofort in Frage.

"Kinder wollen keine Krippe"

Zu Hause angekommen setze ich mich sofort an den Laptop und suche per Google Nahrung für mein schlechtes Gewissen.  Zum Beispiel in Form von folgendem Artikel aus dem Thüringer Kindergartenportal mit dem für mich verstörendem Titel "Kinder wollen keine Krippe" (http://www.thueringer-kindergartenportal.de/index.php?id=266). Darin heißt es zum Beispiel
"«In den ersten drei Jahren sind Krippen nicht sinnvoll», glaubt Otto Eder. Er ist ehemaliger Co-Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Kinder- und Jugendpsychologie. Natürlich gebe es Notfälle, wo es nicht anders gehe. Aber grundsätzlich sei es gut, wenn die Mutter mit ihren Kindern sein könne oder der Vater."

Sehr realistisch denke ich mir. Die wenigsten Familien genießen den Luxus, auf ein Gehalt verzichten zu können. Und die wenigsten Frauen mit einem gut bezahlten Job, der ihnen auch noch Spaß macht, wollen freiwillig jahrelang pausieren. Ist Hausfrau zum Wohl des Kindes also doch das neue Lebensmodell?

Schon seltsam. Früher habe ich die Krippe als Betreuungseinrichtung für unter Dreijährige nie in Frage gestellt. Für mich war immer klar, dass ich nach einem Jahr Babypause wieder arbeiten gehe und das Kind eben in die Krippe geht.  Dass das womöglich irreparable psychische Schäden verursachen kann, war mir nicht bewusst. Ich ging bislang davon aus, dass gute Kinderkrippen gut für Kinder sind. Und unsere ist zum Glück gut, genießt einen exzellenten Ruf und führt lange Wartelisten.

Was soll ich also tun? Ich habe mich fürs Abwarten entschieden. Denn trotz der morgendlichen Dramen scheint es Mausi in der Krippe zu gefallen. Die Erzieherinnen jedenfalls berichten, dass die sich schnell wieder beruhigen lässt und dann überaus fröhlich spielt. Auch essen und schlafen in der "Fremde" sind scheinbar kein Problem. Ich hoffe also, dass die große Heulerei bald ein Ende hat und ich im Januar entspannt und mit gutem Gewissen zur Arbeit fahren kann.


Montag, 8. Dezember 2014

Vaterkind und Muttersorgen oder: Papa ist der Beste und Mama traurig


Meine Maus ist verliebt - und mein Mutterherz vor Neid schon ganz grün. Der Auserwählte? Der Herr Papa! Ohne ihn läuft beim Töchterlein seit kurzem gar nichts mehr.

Kaum betritt er den Raum, wird er laut jubelnd empfangen, als wäre es gerade von einer mehrmonatigen Marsmission zurück gekommen. Geht er aus dem Haus, folgen herzzerreißende Weinattacken. Ich dagegen kann so lange die Haustür laut ins Schloss fallen lassen und mein Weggehen vortäuschen (habe ich tatsächlich ausprobiert), wie ich will. Mausi zeigt keine Reaktion (vielleicht glaubt sie mir aber auch einfach nicht.) Will ich sie auf den Arm nehmen, schreit sie panisch und streckt sofort ihre kleinen Speckärmchen nach ihrem Vater aus. Ist Papa in greifbarer Nähe, werde ich mit Missachtung gestraft. Mit ihm spielt, tobt und kuschelt es sich anscheinend einfach besser.

Wenn es aber darum geht, meine Tochter  stundenlang mit dem Kinderwagen durch den grauen norddeutschen Winter zu schieben, schmierige Spinatspuren aus ihrem kleinen Gesichtchen zu waschen oder jeden Abend bis zur Heiserkeit Gute-Nacht-Lieder zu singen, bin ich gut genug.  Klar, Papa arbeitet ja auch die meiste Zeit. Als Restaurantbesitzer sogar zu den unmöglichsten Zeiten. Auch nachts bin meistens ich diejenige, die der Kleinen beruhigend den Rücken tätschelt, sollten sie Alpträume plagen.

Alltag vs. Cluburlaub

Ich bin der graue Alltag, Papa der Cluburlaub, ich die Arbeit, er das Vergnügen. Ich bin immer da, ständig verfügbar, Vaters Anwesenheit ein Event. Das sieht der Münchner Entwicklungspsychologe Heinz Kinder, auf den ich bei meiner Internetrecherche zum Thema gestoßen bin, ähnlich: "Im zweiten Lebensjahr werden Väter hochattraktiv für ihre Kinder. Das liegt an ihrer Art zu spielen und daran, dass ihre Zeit meist rarer ist und ihre Gegenwart deshalb kostbarer scheint. Geht es aber um Schutz oder Ruhe, ist schnell wieder die Mutter gefragt." (http://www.eltern.de/baby/9-12-monate/papa-baby.html)

Ich finde das unfair. Auch mit mir kann man Spaß haben. Ich kann mindestens genauso wild toben, genau so hoch Flugzeug fliegen spielen, genauso schnell um die Wette krabbeln. Warum gibt mein Töchterchen dennoch ihrem Papa zurzeit den Vorzug?

Ein weiterer Grund, den ich im Netz ausgegraben habe, nennt sich Loslösungsphase. "Es geht nicht ohne Loslösung, denn immer und ewig in der engen dyadischen Bindung mit der Mutter zu verhaften, lässt kein autonomes Leben zu",  schreibt Kinderarzt Dr. Rüdiger Posth im Expertenforum bei www.rund-ums-baby-de (http://www.rund-ums-baby.de/entwicklung/Losloesungsphase-Papaphase-ein-Muss_51107.htm).

Klingt logisch, macht die Phase aber nicht weniger schmerzvoll für die Mutter. Besonders wenn man wie ich nach dem allerersten kindfreien Wochenende überglücklich sein Baby in die Arme schließen will, dieses aber lautark zu kreischen anfängt und nach Papa verlangt. Da fragt man sich dann natürlich, ob das mit den 48 Stunden Erholung wirklich so eine gute Ideen waren oder ob die Krippeneingewöhnung nicht doch ein frühkindliches Trauma verursacht hat.

Was sind Eure Erfahrungen zu diesem Thema. Wie losgelöst seid Ihr und Eure Kinder schon voneinander? Freue mich über Kommentare.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Krippenkoller und andere Kinderkrankheiten oder: Eingewöhnung Teil 2

Nach zwei herrlich unkomplizierten Wochen Krippeneingewöhnung macht sich langsam der erste Koller breit. Während meine Maus zunächst von ihrer neuen Umgebung und den vielen tollen Spielsachen scheinbar zu abgelenkt war, um wirklichen Trennungsschmerz zu empfinden, tat sie den in dieser Woche bei jedem morgendlichen Tschüss-Sagen lautstark kund. Und mir brach sofort das Mutterherz - mehrfach. Wenn ich den Aussagen der Erzieherin glauben darf, hat sie sich aber jedes Mal schnell wieder eingekriegt brav weiter gespielt. 

Dennoch ist etwas anders diese Woche. Mausi ist stiller, oft weinerlich, nicht mehr so draufgängerisch-fröhlich wie sonst. Zu Hause hängt sie an meinem Rockzipfel, nachts kann sie nicht schlafen, ständig fuhrwerkt sie sich mit der Hand im Mund herum. Dienstagabend zeigten sich erstmals zwei feuerrote Apfelbäckchen, zeitgleich stieg ihre Temperatur leicht an. Ich hatte sofort ihre (noch nicht vorhandenen) Zähne in Verdacht. (Wie eigentlich jedes Mal, wenn sie unleidlich ist, entweder Zähne oder Wachstumsschub, eins passt fast immer). Dann fing die Kleine auch noch an, herzzerreißend zu weinen, und ich wusste sofort: Sie hat Schmerzen. Da ich seit kurzem erkältet bin, dachte ich mir, dass sie nun auch (wieder einmal) einen Infekt hat und verabreichte ihr das von meinem Kinderarzt empfohlene Fieber- und Schmerzmittel. Seltsamerweise gesellte sich plötzlich ein ausgewachsener Brüllanfall zu ihrem Weinen. Während der Schreiattacke, bei der mir fast das Trommelfell kollabierte,  schaute mich vorwurfsvoll und zugleich äußerst wütend an, schimpfte regelrecht mit mir und verlangte nach ihrem Papa. Okay, vielleicht interpretiere ich da ein wenig zu viel hinein, aber mich überfiel sofort das schlechte Gewissen. "Ohje, ich habe mein Kind angesteckt. Es war krank in der Krippe und nicht bei mir. Warum ist es überhaupt in der Krippe? Kann ich nicht einfach noch zwei, drei Jährchen zu Hause bleiben? 


Gegengift gesucht

Womit wie wieder beim Thema wären. Kind und Karriere, Kind oder Karriere? Kind? Karriere? Die Gedanken fahren nach wie vor in meinem Kopf Achterbahn, dabei habe ich  noch nicht einmal wieder mit meinem Job angefangen. Noch sind wir sozusagen in der Vorbereitungszeit. Dennoch: Werde ich es schaffen, beidem gerecht zu werden? Meinem Beruf und meinem Mamajob? Will ich überhaupt beides vereinen? Antworten auf diese Fragen werde ich wahrscheinlich erst finden, wenn ich wieder mittendrin stecke in der Arbeitswelt. Also abwarten. 

Zurück zum kranken Kind. Heute morgen war es bestens gelaunt, also ab in die Kita. Dort war es dann - laut Augenzeugenberichten - wieder weinerlich. Kaum zu Hause angekommen zeigte sich mein Töchterlein auf einmal wieder von ihrer besten Seite, lachte, spielte, tobte, brabbelte fröhlich vor sich hin. Dann beim abendlichen Wickeln der Schock: fiese kleine rote Pünktchen am Po, in den Kniekehlen, einige auch am Bauch und an den Armen. Hat sie sich in der Krippe eine Kinderkrankheit eingefangen? Oder bekommt ihr etwa der Krippenalltag nicht? Schlägt ihr der Trennungsschmerz auf die Gesundheit? Bei mir hat er auf jeden Fall schon Spuren hinterlassen. Auch wenn man diese nicht in Form roter Pünktchen sieht. Morgen geht's statt in die Krippe erstmal zum Kinderarzt. Hoffentlich weiß der ein Gegengift für kindliche Pünktchen und mütterliches schlechtes Gewissen.

Nachtrag

Es ist die Hand-Mund-Fußkrankheit, auch als Maul- und Klauenseuche bekannt. Zum Glück ist das Schlimmste aber schon vorbei, und die Kleine hat  wenig Symptome gezeigt. 

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