Dienstag, 2. August 2016

Offener Brief an alle Körper-Kritiker

Bild: pixabay.de

An alle Lästermäuler, Neidhammel, Figur-Fetischisten, Körper-Kritiker und Hohlnasen: Hört auf damit! Hört auf damit, jeden auf die "Bunte-Waage" zu stellen, jedes Gramm Fett zu viel oder zu wenig zu finden, Busen zu groß oder zu klein, Hintern zu dick oder zu dünn, Nasen zu krumm, Haare zu strähnig, Haut zu großporig.

Sprüche wie "Du hast aber zugelegt", "Du bist zu dürr, iss doch mal was", "Dein Busen ist ja enorm gewachsen", "Der Bauch ist aber ganz schön klein für den 6. Monat", "Boah, ist der Bauch schon riesig" können wir (ja ich spreche einfach mal für alle Betroffenen) nicht mehr hören. Sie sind ungehörig, distanzlos, respektlos, unverschämt und ungezogen!

Hört auf, ungefragt andere Körper zu kommentieren! Und kommentiert niemals - ich wiederhole - NIEMALS den Körper einer schwangeren Frau. Wie dieser sich verändert, ist sowieso kaum zu beeinflussen. Er führt ein Eigenleben, die Natur hat die Regie übernommen. Sie richtet alles so ein, dass ein kleiner Mensch in Ruhe heranwachsen kann. Ja, ich weiß, die Veränderungen können gewaltig und schlichtweg nicht mehr zu übersehen sein. Aber sie sind gut. Sie machen Sinn.

Sowie jeder Körper einen Sinn erfüllt. Darum ist auch jeder Körper gut, so wie er ist - auch wenn er nicht unbedingt dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Es gibt kein Recht auf Schönheit. Und natürlich darf man Körper schön oder hässlich, dick oder dünn finden. Aber eben nicht bei jeder Gelegenheit kommentieren. Nehmt es hin. Busen können riesig sein oder winzig klein. Ärsche voller Cellulite-Dellen oder glatt wie ein Babypopo. Jedes Kind lernt heute im Kindergarten "Es gibt große Menschen, kleine Menschen, dicke Menschen, dünne Menschen." That's life. Das muss man den Betroffenen nicht ständig unter die Nase reiben - sei es aus Gehässigkeit, Neid oder dem schieren Unglauben. Habt Respekt vor Euren Mitmenschen und haltet verdammt noch mal Eure Klappe! Danke.


Montag, 25. Juli 2016

Das Ende der Einschlafbegleitung

Wie ich mich das Schlafverhalten meines Kindes einmal an den Rand des Wahnsinns trieb und ich mich sanft (ehrlich, ich schwöre) von der Einschlafbegleitung verabschiedete. Mein ultimativer 10-Punkte-Plan, der ausdrücklich nicht zum Nachmachen gedacht ist. Ein Erfahrungsbericht zum Thema Kinderschlaf, nicht mehr und nicht weniger.  

Bild: www.pixabay.de

Wer von Euch fleißig mitgelesen hat, weiß, dass das Thema Schlafen bei uns (wie bei vielen Eltern) ein Dauerbrenner ist. Was anfangs problemlos klappte, entwickelte sich immer mehr zum Belastungstest der elterlichen Nerven. Schlafen ging nur noch im Elternbett, Einschlafen nur mit stundenlanger Begleitung und von Durchschlafen wollen wir mal gar nicht reden. Und das alles obwohl die Maus „doch schon 2,5, Jahre alt ist (hier empörte Blicke von Verwandten, Bekannten, Kollegen einfügen).

Mutti pennt im Mädchenzimmer

Ein Ausqurtierungsversuch scheiterte, und damit das hübsch eingerichtete Mädchenzimmer nicht ganz verlassen bleibt (wozu haben uns eigentlich die Mühe gemacht, noch vor der Geburt ein Kinderzimmer einzurichten? – wir Anfänger, wir) bin ich zwischenzeitlich dort eingezogen. Anfangs um dem Geschnarche des Mannes zu umgehen und der Schwangerschaftsübelkeit ungestört frönen zu können – mittlerweile habe ich allerdings Geschmack am Alleineschlafen gefunden. Das Ende vom Lied: Mann und Maus teilen sich das Ehebett, Mutti pennt in der rosa-roten Mädchenhölle, und die aktuelle Einschlafzeit der Maus liegt bei 21.30 Uhr. Ein Masterplan musste her und zwar schnell.

Was störte mich am meisten? Dass die Maus immer noch im Elternzimmer schläft eigentlich gar nicht mal sehr. Allerdings hätte ich sie schon gerne im eigenen Bett, da es zu dritt doch recht eng auf 160 Zentimetern Breite werden kann (und ich plane doch irgendwann aus dem Mädchenzimmer ins Elternbett zurückzukehren). Am meisten nervte mich die stundenlange Einschlagbegleitung (Beruhigungmusik, Hypnose-CD und –Geschichte zeigten leider keine Wirkung). Obwohl diese immer friedlich und ohne Gequengel ablief,nagte sie an meinen Nerven. Diese Zeit hätte ich doch gerne nur für mich gehabt. Me- Time, Freizeit, Feierband eben. Den Mittagsschlaf einfach wegzulassen funktionierte bei uns leider nur am Anfang. Sie braucht zwar auch hier ewig lange zum Einschlafen und schläft dann zu lang, weil unweckbar, aber wenn wir ihn weglassen, haben wir nachmittags ein total anstrengendes Trotz- und Quengelkind. Dann lieber Party bis Mitternacht.

Der Masterplan

Nach der Lektüre diverser Schlafratgeber war mir klar: Trainingsprogramme alà Schreienlassen (oft auch gerne als sanfte Methoden angepriesen) kommen nicht in Frage. Ich hörte auf mein Bauchgefühl und probierte es auf meine Art, die Maus zum Alleineschlafen zu animieren. Hier ist mein "Masterplan" (Achtung: ich schreibe das nicht, um zu bewiesen, wie toll alles bei uns klappt, um anderen meine „Methoden“ aufzuschwatzen oder um andere schlecht zu machen. Ich möchte ganz einfach meine Erfahrungen teilen.)

Im Nachhinein entpuppte sich mein Ansatz als (mehrmonatiger) „Stufenprogramm“. So lief es bisher ab:

  1. Step: Ich ermutigte die Maus in ihrem eigenen Bettchen zu schlafen, versprach ihr aber währende des Einschlafens ihr Hand u halten – und tat das dann natürlich auch.
  2. Step: Als das eine Weile gut klappte, sagte ich ihr, dass meine Hand weh tun würde, wenn ich sie so weit und so lange ausgestreckt in ihr Bett halten würde (keine Lüge) und schlug vor, es doch ohne Händchenhalten zu versuchen. Oh Wunder, sie willigte ein.
  3. Step: Ich rückte weiter von ihrem Bett weg
  4. Step: Ich verließ das Zimmer. Halt: So einfach klappte das leider nicht. Der Protest war groß! Zunächst gab ich vor, nur kurz was erledigen zu müssen und kehrte jedes Mal rasch zurück. Aber die Maus schlief erst ein, wenn ich mich dauerhaft neben sie legte. Also ändert ich die Taktik und ging direkt zum
  5. Step: Ich legte mich mit einem Buch ins Nebenzimmer und sagte ihr, dass ich unbedingt was lesen möchte (mittlerweile bin ich zu Netflix umgeschwenkt), ich aber in Hörweite sein und sie mich einfach rufen könne, sollte was sein. OMG! Das war bzw. ist der härteste Part. Denn dieses Angebot nahm sie nur zu gerne an. Sie rief nach mir, sobald ich außer Sichtweite war und ich trottete jedes mal brav zurück. Das ging so ca eine Trillionen Mal. Dann war Ruhe und die Maus alleine eingeschlafen. Halleluja!!
  6. Step: Das ewige Hin- und Hergerenne wurde mir irgendwann zu anstrengend, also sagte ich ihr (nachdem ich das Spiel so ca 2 Wochen mitgemacht hatte), dass ich jetzt nicht mehr sofort zu ihr komme, sondern nur noch im „Notfall“, also wenn sie Angst hat oder irgendwas dringendes von mir braucht. Ansonsten könnten wir uns ja auch von Zimmer zu Zimmer unterhalten. Ich würde aber auf jeden Fall nach ihr sehen, sobald sie eingeschlafen sei. Erstaunlicherweise klappte das sehr gut. Wir brüllten also fortan von Raum zu Raum.
  7. Step: Auch das wurde auf Dauer etwas anstrengend. Also sagte ich ihr, dass ich nicht mehr so viel reden könne, da ich selbst sehr müde sei und schlafen wolle. Das klappt mal mehr mal weniger gut. Aber immerhin muss ich jetzt nicht mehr stundenlang neben mit sitzen, sondern kann lesen oder fernsehen, habe also etwas Me-Time zurück. 
Tja, und da stehen wir jetzt. Zu mehr Schritten bin ich noch nicht gekommen. Aber vorgenommen habe ich mir noch folgende Steps (die ich aufgrund von akuter Schwangerschaftsmüdigkeit noch ein wenig vor mir herschiebe…)

8. Step: Nach unten ins Wohnzimmer gehen und fortan mit der Maus von Etage zu Etage brüllen (hat sogar schon einmal – ganz ohne brüllen – geklappt)
9. Step: Das Brüllen einstellen.
10. Step: Die Maus ins eigene Zimmer ausquartieren und meinen Platz im Ehebett zurückerobern (und das ganze Spiel vermutlich von vorne beginnen lassen… ;)



Aber vorerst bin ich mit der jetzigen Einschlafsituation ganz zufrieden – auch wenn es immer noch sehr lange dauert, bis die Maus endlich zur Ruhe kommt. Für alles andere fehlt mir momentan einfach die Kraft.

Und wie handhabt Ihr das Einschlafen so? Händchenhalten oder Schreien lassen? Oder irgendwas dazwischen? Schreibt mit Eure Erfahrungen gerne in die Kommentare.

Mittwoch, 13. Juli 2016

Über Lob, Tadel und Nicht-Erziehung: Meine Gedanken zum Thema Kindererziehung

Neulich in der Twitter-Bubble: eine hitzige Diskussion über unerzogene Kinder, nicht lobende Eltern und die Gefahren der Konditionierung. Die bezaubernde Mo von 2KindChaos hat dazu bereits vor einiger Zeit einen wunderbaren, nun wieder sehr aktuellen Blogpost geschrieben, den ich voll und ganz unterschreiben kann. Auch die Öko-Hippie-Rabenmutter hat dazu ihre Meinung (mehr Beiträge unten).  Nun möchte ich auch meinen Senf dazugeben.


Bild: pixabay.de
Wann ist es eigentlich aus der Mode gekommen, seine Kinder zu erziehen? Seit wann ist Loben verpönt? Und was ist so gefährlich am Bauchgefühl? Zugegeben, ich bin kein Pädagoge, Bindungsforscher oder Entwicklungspsychologe. Ich habe nicht die gesamt Jesper-Juul-Reihe auswendig gelernt, aber auch ich habe so das ein oder andere zum Thema kindliche Entwicklung und Erziehung gelesen. Und ja: ich vertraue oft auf mein Bauchefühl und "mache einfach", statt mich erst einmal schlau zu lesen. Darum kann ich den Trend zu Nichterziehung nicht ganz verstehen.

Erziehung: eine Definitionsfrage

Ich finde Erziehung wichtig und richtig. Vielleicht ist das aber auch eine Definitionsfrage. Ich verstehe unter Erziehung nicht das Ziehen des Kindes in die eine oder andere Richtung, das Dressieren von kleinen Menschen, die lernen sollen, zu funktionieren. Für mich ist Erziehung eine liebevolle Begleitung beim Heranwachsen. Es bedeutet, Raum zu geben, sich zu entwickeln und seine Persönlichkeit zu entfalten. Aber auch, hin und wieder zu lenken, die Welt zu erklären und zu zeigen, wie man in ihr klarkommt. Das beinhaltet für mich ganz klar auch ein gewisses Maß an Autorität. Ich respektiere die Persönlichkeit und die Bedürfnisse meines Kindes, aber, sich sage auch "wo es lang geht". Hey, ich bin Mutter und damit auch der Boss! Ich stelle Regeln auf und achte darauf, dass sie eingehalten werden. Denn ohne Regeln, kann keine Gesellschaft - auch nicht ihre kleinste Keimzelle, die Familie - funktionieren.

Wer ist hier der Boss?

Das bedeutet nicht, dass ich in bester Feldwebelmarnier herumkommandiere und sinnlose Gesetze aufstelle. Meine (zugegeben eher wenigen) Regeln sind flexibel, ich passe sie der Situation an und ändere sie gegebenenfalls. Und es gibt Ausnahmen. Aber dennoch habe ich (natürlich auch mein Mann) das letzte Wort. Wenn es Zeit ist, Zähne zu putzen, ist es Zeit Zähne zu putzen. Da gibt es keine Diskussionen. Und ja, manchmal bin ich auch ein bisschen oldschool. Beim Betreten der Wohnung werden die Schuhe ausgezogen, vor dem Essen die Hände gewaschen und die Wände nicht mit Filzmaler beschmiert. Wenn die Maus im Sandkasten mit der Schaufel um sich schlägt, wird die "getadelt" (oh Gott, da ist es wieder, das böse Wort). Ich zeige Grenzen auf - von Strafen im Sinne von "ohne Abendbrot ins Bett", Fernsehverbot etc. halte ich nichts. Aber es gibt Konsequenzen. Schlägt die Maus wiederholt mit der Schaufel um sich, sage ich ihr, dass sie, wenn sie nicht damit aufhört, aus der Sandkiste kommen muss, und setze das dann auch in die Tat um.

Ich lobe

Ebensowenig halte ich etwas vom "Fleißpunkte-Prinzip" ala für jede gute Tat gibt es Sternchen ins Heft, ein Lolli oder Eis etc. (Was nicht heißt, dass ich mein Kind nicht auch schon "bestochen" hätte, ich bin ja auch nur eine Mutter mit manchmal sehr dünnen Nerven). Ich finde, Kinder sollen nicht lernen, nur etwas für eine Gegenleistung zu tun. Aber: ich lobe. Und zwar nicht (vorrangig), weil ich ein gewünschtes Verhalten erzielen will (Konditionierung), sondern, weil ich es ehrlich so meine, weil ich mich freue und stolz bin auf die Leistung meines Kindes. Wenn die Maus freudestrahlend und Stolz wie Bolle mit einem selbst gemalten Bild zu mir gerannt kommt, dann kann ich einfach nicht anders: ich lobe. "Das ist aber ein schönes Bild, danke!" Und ich meine es dann genauso so. Das ist echt ein schönes Bild, mein Kind kann toll malen.

Konditionierung hin oder her

Ja, ich bin eben echt begeistert von meiner Tochter. Konditioniere ich sie jetzt damit? Bringe sich sie durch mein Loben dazu, ständig neue Bilder zu malen, um Aufmerksamkeit zu bekommen? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich meinem Kind auch so genügend Aufmerksamkeit gebe. Und ein: "Aha interessant, was soll das denn sein, die Figur sieht mir aber gar nicht ähnlich", kommt mir zugegebenermaßen nur sehr schwer über die Lippen. Ich sehe das so wie Mo: Jeder freut sich doch über Lob. Lob ist wichtig für das Selbstvertrauen (es gibt natürlich auch noch andere Dinge, die dazu beitragen, ich weiß). Mir ist auch klar, dass ich nicht jeden Pups lautstark beklatsche und den ganzen Tag jubelnd hinter meinem Kind hinterherrenne. Gewisse Dinge sollten irgendwann eine Selbstverständlichkeit sein und müssen nicht bejubelt werden. Wenn mir mein Mutterherz aber sagt, "Das ist toll, das hat sie ganz wunderbar gemacht", dann sage ich das auch.
Übrigens: Meine Tochter weigert sich immer noch jeden Abend konsequent ihr Mündchen zum Zähneputzen aufzusperren, obwohl ich sie lobe, wenn sie es dann doch tut. In diesem Fall ist mein Lob wohl doch eine bewusste Konditionierung, die aber nicht funktioniert. Denn ja, manchmal denke ich mir natürlich auch: Lobe ich das gewünschte Verhalten, zeigt sie dies vielleicht öfter. Ist das wirklich so verwerflich?

Vielleicht habe ich ja das Prinzip der "Nicht-Erziehung" und des "Nicht-Lobens" falsch verstanden. Dann korrigiert mich bitte. Was mir aber am Herzen liegt ist folgendes: Man kann erziehen und gleichzeitig, die Persönlichkeit des Kindes achten. Man kann loben, ohne dass sich das Kind in ein berechnendes Monster verwandelt. 
Hört doch ab und zu wieder auf Euer Bauchgefühl. Und wenn Euer Mutterherz vor Stolz zu platzen scheint, weil das Kind ein krakeliges Strichmännchen zu Papier gebracht hat, dann äußert dieses Gefühl und lobt! 

Es richtet bestimmt keinen Schaden an...

Mehr Blogposts zum Thema


Dienstag, 12. Juli 2016

Familienurlaub auf Norderney

Ich möchte Euch jemanden vorstellen: meine heimliche Liebe, meine große Sehnsucht, mein Seelenheil. Hört sich dramatisch an, ich weiß. Aber wenn ich von "meiner" Insel spreche, werde ich leicht pathetisch. Die Rede ist von Norderney. Ort meiner Kindheitserinnerungen und mittlerweile für mich ein wundervolles Fleckchen Erde, um mit der eigenen Familie Urlaub zu machen. 




Seit mehr als 30 Jahren ist die kleine Perle in der stürmischen Nordsee mein Lieblingsreiseziel. Wenn ich nicht mindestens 2 Mal im Jahr hierher komme, überfällt mich schreckliches Heim- oder Fernweh, das nicht bis in meine Träume verfolgt. Ich liebe es einfach, am Flutsaum entlangzulaufen, die Wellen ans Ufer klatschen zu hören oder einfach nur auf die wogenden Wasser mit den weißen Schaumkronen zu blicken und mir dabei vom Wind den Kopf frei pusten zu lassen. 

Viele werden jetzt ungläubig mit dem Kopf schütteln und denken: Ah, das neue Sylt für die Möchtegern-Schickeria. Oder: Die Party-Insel, das Mallorca des Nordens. Ja, und alle haben in gewisser Weise Recht. Norderney hat sich über die Jahre stark verändert, es gibt mehr Luxus-Lofts, stylische Bars und schicke Boutiquen. Und ja, im Herbst überfallen die Kegel-Clubs und "Hausfrauen-Cliquen" die Insel und saufen sich durch die einschlägigen Kneipen. Aber: Norderney ist noch zu viel mehr. Es ist genügend Platz für alle da: Familienurlauber, Sauftouristen, Sonnenanbeter (ja, man kann sich hier tatsächlich knackig braun rösten). Ach ja: und ganz günstig ist es leider auch nicht. Mit 1 Woche Türkei All-In ist sicherlich billiger als ein paar Tage Inselleben.

Trotzdem möchte ich Euch N'ey heute näher vorstellen und Tipps für einen erholsamen Familienurlaub geben. Achtung: das ist keine Werbung, ich bekomme (leider) nichts aber auch gar nichts von den unten genannten Institutionen. Es handelt sich hierbei um meine ganz persönlichen Vorlieben - Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Das ist kein journalistischer Reisebericht -alle Angaben ohne Gewähr!

Wetter /Klima

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, eine Sonnengarantie gibt es hier natürlich nicht. Es ist oft stürmisch und etwas kühler als auf dem Festland. Und ja, es kann auch im Sommer regnen. Aber: meistens sind es nur kurze Schauer, es regnet sich nicht so schnell ein, denn der Wind schiebt die bösen Wolken schnell weiter (ok, ich hab auch schon - selten - Dauerregen erlebt, aber das habe ich wohl verdrängt.) Dafür ist die Luft so salzig und gesund, dass man abends todmüde (nicht toderschöpft) und zufrieden ins Bett fällt, gut schläft (auch die Kinder) und einen gesunden Appetit entwickelt, der alles noch ein bisschen besser schmecken lässt. (Also besser nichts für Dauerdiätler und Size-Zero-Kandidaten.)

Unterkunft

Meiner Meinung nach sind Familien in Ferienwohnungen auf Norderney am besten aufgehoben. Hier ist man unter sich, hat mehr Platz und muss ich an keine Essenszeiten halten. Einziges Manko: Viele Anbieter vermieten nur für mindestens eine Woche oder verlangen saftige Aufschläge. Wir buchen immer beim Norderneyer Wohnungsservice. Zuletzt waren wir im Haus Jantje Mö, Wohnung Nr 1.
Wer es etwas schicker (und etwas teurer) mag, ist im Inselloft gut aufgehoben. Hotelliebhabern (mit dem nötigen Kleingeld) empfehle ich das Kurhotel Germania.
Unterkünfte gibt es übrigens nicht nur zentral in der Stadt, sondern auch in der etwas außerhalb gelegenen Nordhelmsiedlung (ca. 5 Minuten mit dem Rad bis zur Innenstadt). Der Vorteil: Die schönsten Strandabschnitte (Nordstrand) gibt es hier, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten sind ausreichend vorhanden und zur weißen Düne (s. unten) ist es nur einen Katzensprung.

Strände
Strand an der Weißen Düne 

Die Innenstadt liegt am Weststrand (hier ist übrigens ein super Kinderspielplatz) und erstreckt sich dann weiter Richtung Nordstrand. Der Nordstrand ist mein Lieblingsstrand, er ist sehr breit, nicht zu doll bevölkert, im Hintergrund liegt eine bezaubernde Dünenlandschaft. Er fängt in etwa beim Cornelius an, ist also auch vom Zentrum in wenigen Gehminuten zu erreichen.  Je weiter man dann nach Norden geht, desto schöner wird es.

Weiter geht in den Osten, Richtung Weiße Düne. Hier ist der Strand am idyllischsten, der Sand am weißesten, alle Annehmlichkeiten eines bewachten Badestrands dennoch vorhanden: Strandkörbe, Toiletten, Duschen, Massage, Kiosk, Strandrestaurant etc. (Ok, Meinung geändert, DAS ist ein Lieblingsstrand.) Mit dem Rad ist er über den Dünenweg "Zuckerpad" in gut 10 bis 15 Minuten zu erreichen. Auch eine Wanderung am Wasser entlang lohnt sich (dauert ca. eine Stunde). Zurück kann man dann bequem mit dem Bus fahren (5 Minuten). Hin natürlich auch.
Mehr Weiße Düne


Weiter ostwärts wird der Strand dann einsamer und ursprünglicher. Hier gibt es einen großen FKK-Bereich und eine Strandsauna.





Muschelsuche am Weststrand


Aktivitäten für Kinder

Nein, keine Käfighaltung für Kinder, sondern gut gesicherte
Trampolinanlage am Piratenspielplatz
Der schönste Spielplatz ist natürlich der Strand. Die Kleinen sind beim Burgen Bauen, Muscheln Suchen und im Matsch Wühlen bestens beschäftigt. Darüber hinaus gibt es aber noch viele weitere Aktivitäten für Kinder.


  • Der Piratenspielplatz am Westrand ist ein echt liebevoller, gepflegter Spielplatz, direkt am Wasser, der Geräte für alle Altersstufen bereit hält. Dazu gibt es eine tolle Trampolinanlage  mit Popcornverkauf. 
  • Für ältere Kinder und Schwindelfreie gibt es gegenüber einen Hochseilgarten mit Kletterpark
  • Wer mal ohne Kinder was unternehmen will, kann 3- bis 11-Jährige im Spielhaus Kleine Robbe (ebenfalls am Weststrand) betreuen lassen.
  • Ist das Wetter schlecht, geht's zum Spielpark Kap Horn (indoor und outdoor), der mit der Kurkarte sogar umsonst ist.   
  • Ebenfalls eine gute Adresse bei Schietwetter: Das Badehaus. Hier befindet sich ein tolles Familienbad mit Wellengang und außerdem eine riesige Sauna- und Wellnesslandschaft. Übrigens beherbergt das Badehaus Deutschlands größtes Thalasso-Zentrum.
  • Minigolf mit Meerblick gnießt man direkt am Januskopf. (http://www.freizeitengel.de/Angebot/Duenen-Minigolf-Norderney/auswahl?p=3634)
  • Zum Ponyreiten gehts in die Reitschule Junkmann. Für Pferdefreunde hat Norderney übrigens viel zu bieten. Es gibt unzählige Reitwege in den Dünen und Strandaschnitte nur für Ross und Reiter. 
  • Mehr Tipps: https://www.norderney.de/norderney-fuer/kids.html



Restaurants 

Die Auswahl ist riesig. Hier meine Top 4.

1. Weiße Düne
Lohnt sich zu mittags, nachmittags und abends gleichermaßen. Draußen chillt man in gemütlichen Sesseln oder Strandkörben mit Blick aufs Meer und genießt tagsüber Currywurst im Glas, leichte Salate oder hausgebackene Blechkuchen. Drinnen ist der Blick aufs Meer dank Panoramafenster genauso schön. Wenn es draußen kalt ist, kuschelt es sich wunderbar am Kamin. Das Essen und die Weine sind hervorragend, die Abendkarte exzellent. Kinder haben eine extra-Karte und bekommen ein Malset zum Zeitvertreib. Abends unbedingt reservieren.

2. Milchbar
Sonnenuntergang an der Milchbar

Bestens geeignet für einen Snack am Mittag (Selbstbedienung, warme Küche nur bis 20 Uhr) oder einen Sundowner am Abend. Die Sonnenuntergänge werden hier zelebriert. Insgesamt sehr chillige Atmosphäre mit fantastischem Blick aufs Meer - drinnen wie draußen - und entspannter Lounge-Musik. Mehr Bar als Restaurant - trotzdem kindertauglich.

3. Surfcafé
Essen mit Meerblick - Surfer watching inklusive -
geht gut am Surfcafé

Auch hier wieder: Meerblick inklusive. Außerdem gibt es hier den besten Burger der Welt, den Surfburger (Norderneyer Galloway-Rind und Seeluftschinken zwischen Reibekuchen). Ich liebe auch das Frühstück. Außerdem gibt es hier gefüllte Picknick-Körbe, die man mit an den Strand nehmen kann. Auch hier ist die Atmosphäre relaxt, Kinder sind willkommen.

4. Da Sergio
Tolles italienisches Essen (mal ohne Meerblick). Viel Platz für Kinderwagen und Co. Es gibt ein eigenes Spielzimmer und natürlich extra Kinderessen. Mehr muss ich nichts sagen, oder?

Extra-Tipps:


  • Fahrräder mieten (geht echt überall, an jeder 2. Ecke befindet sich ein Rad-Laden). Es gibt wunderschöne Radwege durch die Dünen, zum Leuchtturm, am Deich erlang oder gleich einmal um die ganze Insel.
  • Strandkorb mieten (prima Windschutz)
  • Strandmuschel / Strandzelt mitnehmen, am besten im Kombi mit oberem (nur bei zu viel Wind machen die schnell schlapp)
  • niemals den Sonnenschutz vergessen (bei dem frischen Wind merkt man oft zu spät, wenn es brennt)
  • niemals die Möwen füttern (gemeingefährliche Biester)
  • Klamotten für alle Wetterlagen mitnehmen: Regenjacke, Matschhose, Gummistiefel, Windjacke, Badesachen, Sommerkleidchen...
  • nicht zu zimperlich sein: zerzauste Haare, Sand in Mund, Augen und allen anderen Körperöffnungen gehören einfach dazu...


Ich hoffe, ich konnte meine Begeisterung teilen und euch Lust auf einen Insel-Urlaub machen. Leider habe ich beim letzten Urlaub nicht so viele Fotos gemacht, da ich ja alles schon 100 Mal gesehen habe und die Idee zu diesem Reisebericht erst später entstand.

Ward Ihr schon auf Norderney, habt Ihr eine spezielle Lieblingsinsel oder einen Sehnsuchtsort? Schreibt mir Eure Erfahrungen und Meinungen gerne in die Kommentare.



Mittwoch, 15. Juni 2016

Wenn die Mutter nicht gut genug ist. Oder: Papa-Kind extrem

Dass Väter von ihren Kindern gerne mal wie Rockstars gefeiert werden, wenn sie nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommen, ist ja nichts Neues. Und dass Töchter ihren Papa später am liebsten heiraten möchten - auch kein Geheimnis. Was aber, wenn die Papa-Kind-Beziehung Mama in den Schatten stellt? Wenn die Mutter sich ausgeschlossen aus diesem exklusiven Zweier-Bund fühlt? 
Bild: pixabay.de
So ist es nämlich bei uns. Und ich könnte heulen. Klar freue ich mich über die tolle Vater-Kind-Beziehung. Schließlich hat das Ganze auch seine Vorteile: Ich kann unbesorgt abends weggehen oder beide alleine losschicken, ohne mir Sorgen machen zu müssen, dass die Maus nicht ohne mich zurecht kommt. Doch langsam gesellen sich auch Zweifel dazu. Habe ich das mit der Mutter-Kind-Bindung vergeigt?

Aber mal von Anfang an...

Mein Mann hat sich von Anfang an stark engagiert und so konnte die Maus zu ihm eine (so vermute ich) mindestens ebenso sichere Bindung aufbauen wie zu mir. Klar, ich habe sie 9 Monate in meinem Bauch getragen und sie (leider nur sechs Monate, mehr ging nicht) voll gestillt. Aber seit sie auf der Welt ist, hat mein Mann (bis auf das Stillen) wirklich ALLES übernommen. Teilweise sogar mehr als ich. Er war in den ersten 5 Monaten sehr viel zu Hause und hat wahre Mutterqualitäten bewiesen. Das ganze fing im Krankenhaus an, als die Maus in der 2. Nacht nur schrie, und er sie stundenlang über den Flur getragen hat (weil ich von der Geburt und meinen Geburtsverletzungen noch zu geschwächt war). Wenn die Maus später ihren allabendlichen Schreiattacken bekam, hat er sie im Arm geschuckelt, wurde sie nachts unruhig, hat er sie zu sich auf den Bauch gelegt. Schon damals hatte ich das Gefühl, dass er sie besser beruhigen kann. "Ist normal", hat mir mal eine Hebamme versichert. "Sie riecht halt deine Milch und kleine Babys lieben die tiefe, sonore Männerstimme."

Klar, auch ich habe sie genommen, wie haben uns schon abgewechselt. Aber er war oft schneller, hat es sich nicht nehmen lassen, sein Töchterchen so oft wie möglich zu sich zu holen, sie bei jeder Gelegenheit in den Armen zu wiegen. Und ich habe die Beiden gelassen. Schließlich hatte ich allein durch die Stillerei eh schon sehr viel Körperkontakt zu ihr. Außerdem bekam sie jeden Abend eine Babymassage von mir. Und natürlich haben wir beide auch gekuschelt. Vielleicht nicht genug? Diese Frage stelle ich mit heute.

Strenge Mama, weicher Papa

Dazu kommt, dass mein Mann viel "weicher" ist als ich. Bei jedem keinen nächtlichen Mäuse-Pieps zum Beispiel, hat er die Kleine aus ihrem Beistellbettchen gerissen. Ich hingegen, wollte lieber versuchen, sie zunächst durch streicheln zu beruhigen, bevor ich sie gleich hochnehme. Schließlich sollte sie sich doch irgendwann ans Bettchen gewöhnen, merken, dass das ein sicherere Ort ist. Aber nein, weinen gelassen, habe ich sie natürlich nicht. Hat das Streicheln nicht geholfen und die Maus weinte, habe ich sie natürlich hochgenommen. Nur war mein Mann auch hier viiieeeel schneller.  Und ich vielleicht doch zu hart? Rückblickend muss sich sagen, dass ich damals viel zu wenig über Babys wusste. Habe auf mein Gefühl und manchmal auch auf den Rat meiner Hebamme gehört. Intuition ist das beste, dachte ich damals. Und: Man kann doch kein Kind nach Büchern erziehen. War das naiv? Fachliteratur folgte erst viel später, als das Thema Schlafen zum Problem wurde. Hätte ich viel früher mehr lesen sollen? 

Als die Maus dann 5 Monate alt war, endete die "Auszeit" meines Mannes und er war von da an, nur noch sehr selten zu Hause. Das krasse Gegenteil also von der Anfangszeit. Doch die Maus und ich kamen gut miteinander aus. Wir gingen zusammen zum Yoga, machten Babyschwimmen, trafen andere Mütter mit ihren Kindern. Eine anstrengende, aber wunderschöne Zeit.

Mit knapp einem Jahr startete die Eingewöhnungszeit in der Krippe, da ich nach der 12-monatigen Elternzeit wieder arbeiten wollte. Die Eingewöhnung übernahm ich und ich erinnere mich, dass die Bezugserzieherin uns damals eine gute Bindung attestierte, da die Maus gleich am ersten Tag freudig von mir weg krabbelte und neugierig den Raum erkundete - Mama in der Nähe gab Sicherheit. Oder war ich einfach nicht wichtig genug?

In Griechenland begann die Veränderung

Doch schon davor, mit ca. 10 Monaten bemerkte ich plötzlich eine Veränderung. Alles fing in unserem Griechenland-Urlaub an. Papa war wieder rund um die Uhr verfügbar und das nutze die Maus aus. Ich durfte auf einmal gar nachts mehr. Tragen wickeln, anziehen. "Papa, Papa, Papa." Zuhause wurde es dann noch schlimmer. Ich war bald komplett abgeschrieben. Und so blieb es mehr oder weniger auch. Zwischendurch gab es kurze Mama-Phasen, aber im Großen und Ganzen verlangte sie nach Papa, wenn er da war.

Und wie ist es heute?

Papa ist der Beste! Dieser Satz umschreibt die Situation wohl ganz gut. Sobald er da ist, darf ich NICHTS mehr machen. Ist er weg, ist alles gut. Dann ist die Maus sogar eifersüchtig auf andere Kinder. Guckt mich ein anderes Kind etwas intensiver an, klammert sie sich sofort an mich und brüllt. "Nein, das ist meine Mama!" Ab und zu kommt sie auch zu mir, umarmt mich, und sagt so Dinge wie "Ich liebe dich" oder "Du bist meine Freundin."Aber eben nur, so lange der Papa nicht da ist. Bei ihm kuschelt sie auch viel öfter und intensiver. Schlafen die beiden in einem Bett, darf der Körperkontakt nicht abreißen, sonst schreit sie. Ist das jetzt eine gutes Zeichen? Für eine sichere Bindung oder eher ein Hinweis auf Verlassensängste? 

Was mir noch aufgefallen ist: Tut sie sich weh und will getröstet werden, kommt sie mal eher zum Papa, mal mehr zu mir.  Hat sie große Angst  wie z.B. in unserem letzten Urlaub, da war ihr der Pool suspekt, wollte sie anfangs nur mit mir ins Wasser. Ist sie bei meinen Eltern frage sie nur nach mir und nie nach dem Papa.

Unser Tagesplan

Zeitlich ist es bei uns übrigens so aufgeteilt. Ich mach sie morgens fertig (welch ein Theater: "Nein, Papa macht das").  Er bringt sie in die Kita, ich hole sie ab. Nachmittags und abends sind wie meistens alleine ohne Papa. Dafür übernimmt er dann die Nachtschicht. Zurzeit schlafen die beiden im Elternschlafzimmer (zunächst sie im eigenen Bett, nachts kommt sie dann zu ihm ins Bett) und ich im Kinderzimmer, da ich durch meine Schwangerschaftsübelkeit nachts manchmal raus muss und eh sehr schlecht schlafe). Samstagnachmittags machen die beiden oft was zusammen, sodass ich mich ausruhen kann, sonntags ist Familientag, also Zeit zu dritt. Insgesamt verbringe ich also mehr Zeit mit ihr. Dafür bin ich aber auch strenger. Der Papa kauft schonmal nen Lolli oder ein Eis und ist damit natürlich der Held. Ist das nun gut oder schlecht?

Ich habe mir mittlerweile verschiedene Theorien zusammengesponnen:

  1. Kind hat eine bessere Bindung zum Papa als zu mir.
  2. Kind hat eine starke Bindung zu beiden Elternteilen, nutzt die wenige Zeit mit Papa voll aus, Mama ist ja eh immer da
  3. Kind hat eine unsichere Bindung zum Papa, da er nach der intensiven Anfangszeit nun viel weg ist
Bin ich bekloppt, dass ich mir so das Hirn zermater? Meine Mutter, die viel von unseren Familienleben mitbekommt, sagt eindeutig "ja". Sie meint, die Kleine hätte eine tolle Bindung zu mir und dass sie den Papa feiert, wenn er mal da ist, sei normal. Hat sie Recht? Bin ich paranoid? Jetzt, wo ich mehr weiß über Entwicklung und Erziehung, meine ich, mehr und mehr "Fehler" meinerseits zu entdecken. Nicht genug getragen gekuscht, im Elternbett schlafen lassen.  Habe ich echt so viel falsch gemacht? Nun bin ich wieder schwanger und schwöre mir. "Beim nächsten Kind wird alles anders."

Es tut weh

Denn es tut einfach weh, wenn man nachmittags vor Sehnsucht zerfressen in die Kita hetzt und das Töchterlein einen nur enttäuscht anguckt und nach "Papa?" fragt. Wenn man sein Kind wickeln und anziehen will, es aber nur schreit und nach Papa verlangt. Wenn der Papa nach Hause kommt und laut jubelnd in Empfang genommen wird. Oder wenn man den eigenen Ehemann nicht mehr küssen darf, ohne einen Eifersuchtsanfall zu provozieren."Das ist mein Mann" musste ich mir schon öfter anhören. Na gut, neulich hat sie mir wenigstens ein Friedensangebot gemacht: "Ok, wir wechseln ab, Mama, ja?" Ist das noch niedlich oder schon gestört? Ist das alles überhaupt normal oder nur ein gewöhnlicher Entwicklungsschritt?

Bin ich die einzige Papa-Kind-Mama?

Kennt Ihr so was eigentlich auch? Ich höre nur von Müttern, ohne die beim Kind gar nichts läuft, Väter, die da nicht mithalten können, die mit dem abendlichen ins Bett bringen schon überfordert sind. Familien, in denen Mama die Beste ist. Und bei uns ist es genau umgekehrt. Ich fühle mich mittlerweile echt wie eine Versagerin. 

Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir Eure Erfahrungen dazu schreiben könntet. Vielleicht habe ihr so etwas ähnliches auch schon mal erlebt. Gerne in einem Kommentar, per Mail oder als eigener Blogpost.







Samstag, 28. Mai 2016

How I survive Hyperemesis - meine Strategie gegen das große Kotzen

Was tun, wenn die Schwangerschaft zum Kotzen ist? Zwieback knabbern, Globulis lutschen und warten, bis die Spuckerei vorbei ist? Das tat ich bei meiner ersten Schwangerschaft und landete prompt in der 13. Schwangerschaftswoche vollkommen dehydriert und entkräftet im Krankenhaus. Damit das nicht wieder passiert, entwarf für diese Schwangerschaft einen ausgeklügelten Plan. Na gut, vielmehr häufte ich ca. 1 Millionen Dinge und mindestens ebenso viele Tipps gegen Schwangerschaftsübelkeit an und probierte alles nacheinander aus. Mit unterschiedlichem Erfolg.



Hier ist das Ergebnis:


1. Vorbereitung: Buch "Übelkeit in der Schwangerschaft - Hyperemesis Gravidarum" von Anna Hubrich und Christiane Braun
Mit einer guten Recherche fängt alles an, dachte ich mir, als ich diese Buch bestellte. Doch viel Neues verriet mir die Lektüre nicht. Zu 90 Prozent besteht der Ratgeber aus Leidensgeschichten anderer Frauen, bei denen mir alleine beim Lesen schon schlecht wurde. Der einzig - scheinbar profane - aber wirklich gute Rat: "ausruhen". Aber dazu später mehr.

Keine bis minimale Wirkung:


2. Ingwertee 
Ein Tipp meiner Frauenärztin. Hat auch prima gewirkt. Die erste Tasse, so für 15 Minuten. Danach war's so schlimm wie eh und je.

3. Kleine, leichte Mahlzeiten über den Tag verteilt snacken
Haha - soll ich jetzt lachen oder weinen? Wie soll man überhaupt irgendwas essen, wenn einen so schlecht ist, dass einem schon beim Gedanken an Essen alles hochkommt? Klar, Hunger verstärkt die Übelkeit, essen macht aber auch kotzig. Ein Teufelskreis. Was also tun? Versuchen, zu trinken. Das ist viel wichtiger. Und wenn man dann mal denkt, von dem oder dem Lebensmittel, müsste ich vielleicht nicht sofort losreiern - essen. Sofort.

4. Akupressur-Armbäner (Sea-Bands, gibt in der Apotheke oder bei Amazon)
Linderten die Übelkeit tatsächlich. Allerdings nur für eine Stunde und danach nie wieder.

5. Nausema
Vitam-B- Nahrungsergänzungmittel, da Schwangerschaftsübelkeit oft von einem Mangel an Vitamin B6 kommt. Wohl nicht bei mir. Allen beim Anblick der Tabletten, kam's mir hoch. Ich konnte sie nicht weiter nehmen. Nausema-Sperre. Sorry.

6. Aromatherapie
Im Akut-Fall an Zitrusfrüchten oder entsprechenden Aromafläschchen schnuppern. Soll helfen. Bei mir leider nicht.

7. Homöopathie
Bei meiner ersten Schwangerschaft half Nix Vomica für ein paar Wochen. Bei dieser leider nicht. Meine Hebamme hat mir noch viele weitere Kügelchen individuelle zusammengestellt (sollte man nur auf Empfehlung von jemanden nehmen, der sich damit auskennt). Geholfen hat alles leider absolut nichts. Habe dann schließlich nach Absprache mit der Frauenärztin zu  Nausyn von Weleda und damit ebenso ins Klo gegriffen. Für mich alles leider wirkungslos.

8. Akupunktur
Die meisten schwören drauf. Bei mir half es eher so lala. Also eventuell wurde es schlimmer, wenn ich ein paar Tage nicht von Dutzenden Nädelchen durchbohrt wurde. Vielleicht war das aber auch nur Einbildung.

9. Vomex
Das Standard-Medikament in Deutschland bei Übelkeit in der Schwangerschaft. Bekam ich bei meiner ersten Schwangerschaft intravenös per Tropf im Krankenhaus. Nun in Zäpfchenform. Die Wirkung: umwerfend. Im wahrsten Sinne des Wortes. War danach vollkommen ausgeknockt. Nur schlecht war mir trotzdem.  

Leichte bis mittlere Verbesserung:


10.  Schlafen, ausruhen, kein Stress
Jaja, ich weiß. Ist leichter gesagt als getan. Gerade wenn man noch ein Kleinkind zu Hause hat. Aber es hilft wirklich! Ich fackelte nicht lange und ließ mich für vier Wochen krankschreiben. So hatte ich wenigstens morgens, wenn die Maus in der Kita war, meine Ruhe. Also ab ins Bett, Augen zu, Fenster auf. Frische Luft hilft. Im Schlaf war mir wenigstens nicht schlecht. Und im absolut entspanntem Zustand viel wenger. Nachmittags nahm mir mein Mann, so oft es ging, die Kleine ab. Ab und zu halfen meine Mutter oder mein Bruder aus. So konnte ich mir kleine Ruheinseln im Alltag schaffen.

11. Unangenehme Gerüche meiden
Am liebsten würde ich den Tag mit Nasenklammer verbringen, denn Gerüche verschiedenster Art verursachen bei mir akuten Brechreiz. Und ich meine wirklich: akut. Ich mutiere dann zum lavaspuckenden Vulkan, der an Ort und Stelle eruptiert. Nicht schön. Also lasse ich in kritischen Phasen den Kühlschrank nur noch vom Mann öffnen (geht leider nicht immer), mache einen großen Bogen um die Spülmaschine und halte unter der Dusche die Luft an. Die Phasen, wo ich nur noch bei geöffnetem Fester und zugehaltener Nase essen konnte, sind zum Glück vorbei.

12. Agyrax
Tabletten gegen Reiseübelkeit mit dem Wirkstoff Meclozyn. Laut embryotoxologischem Institut das Mittel der Wahl beim Hyperemesis. Da am besten untersucht mit der längsten Erfahrungen. Leider 2007 aus wirtschaftlichen Gründen in Deutschland vom Markt genommen worden. Kann man aber z. B. über die Apotheke Reul in Belgien bestellen. Ohne Rezept. Habe es sogar von meiner Ärztin empfohlen bekommen. Hilft bei mir etwas. Lasse ich mal eine Tablette (nehme zurzeit 2 am Tag) weg, in der Hoffnung, die Dosis langsam reduzieren zu können, geht's mir danach tagelang übler als jemals zuvor.

Geheimtipp:


13. Kaugummi
Mittlerweile das wirksamste Mittel gegen aufsteigende Übelkeit: schnell ein Mimt-Gum kauen. Hört sich komische an, is aber so. 

Fazit: Jeder muss selbst ausprobieren und herausfinden, was ihm gut tut. Mein Tipp: Wartet nicht zu lang, wenn die Übelkeit sich einmal so richtig hochgeschaukelt hat, ist es sehr schwer, sie wieder in den Griff zu bekommen. Falscher Stolz und Tapferkeit sind hier kontraproduktiv! Zur Not lasst euch Medikamente verschreiben. Klappt ihr zusammen und landet im Krankenhaus, gibt's die sowieso. In hundertfacher Dosis. Bei allen Mittelchen gilt: richtig abschalten lässt sich Hyperemesis leider nicht. Nur mildern. Vertraut auf Eurer Bauchgefühl und lasst Euch helfen!

Dienstag, 26. April 2016

Wenn die Schwangerschaft zum Kotzen ist. Oder: Hyperemesis mein treuer Begleiter

Wie ist das, wenn aus normaler Schwangerschaftsübelkeit das große Kotzen - im Fachjargon auch Hyperemesis genannt - wird? Ein Erfahrungsbericht.
Bild: Pixabay

Ich habe es zwar noch nicht offiziell gemacht, dank meiner zahlreichen Jammertweets hat es sich
dennoch mittlerweile rumgesprochen. Ich bin schwanger. Und ich könnte kotzen. Denn die Hyperemesis - mein treuer Begleiter aus der 1. Schwangerschaft - ist wieder da.

Eigentlich wollte ich die 1. Horror-Schwangerschaft schon längst verbloggen - aber irgendwie kann ich nicht. Obwohl die Zeit mittlerweile 3 Jahre hat verstreichen lassen, kann ich noch nicht richtig drüber schreiben - zu schwer wiegt der Schock, über das was da über mich hinweggerollt ist.

"Alles normal, das machen fast alle Schwangere durch"
Um es kurz zu machen. Damals war mir von der 7. bis zu 18. Woche 24 Stunden am Stück dauerübel, konnte mich aber kaum erbrechen. "Alles normal, geht bald vorüber, das machen fast alle Frauen durch", lauteten die nicht wirklich tröstenden Worte meiner Frauenärztin. Erst als ich in der 13. Woche rund um die Uhr vor mich hinkotzte, erhielt ich die Diagnose Hyperemesis Gravidarum. Das war im Krankenhaus, in das mich mein Mann auf eigenen Wunsch brachte. Hier nahm man mich endlich ernst. Ich bekam einen Tropf und Unmengen an Vomex, Flüssigkeit und Vitaminen - und es ging langsam wieder aufwärts. Ab der 18. Woche war mir dann nur noch vormittags nach dem Essen übel, der Rest war erträglich.

Trotz dieser Erfahrung, wollte ich es noch mal wagen mit dem Schwangerwerden. Babys sind sich so süß, nicht wahr? "Es wird schon nicht so schlimm werden", redete ich mir Mut zu, recherchierte alle möglichen Hilfsmittel und schwor mir, mir dieses Mal frühzeitig Hilfe zu holen.

Als in der 6. Woche die Übelkeit auf mich zuschwappte, stürzte ich mich sofort auf mein ausgeklügeltes Notfallprogramm (was ich alles ausprobierte, dazu mehr im nächsten Post) und rief meine Hebamme an, um mich von ihr akkupunktieren zu lassen. Anfangs klappte alles ganz gut. Doch mit jeder Woche wurde die Übelkeit schlimmer. Sie ist zwar nicht so aggressiv wie beim letzten Mal, dafür muss ich öfter erbrechen. Ganz schlimm: Sobald ich was Essbares sehe oder rieche, kommt es mir SOFORT hoch. SOFORT. Also ließ ich mich krank schreiben und gammele jetzt schon die 2. Woche vor mich hin. Denn das Einzige was mir wirklich hilft, ist: schlafen. Am besten im abgedunkelten Raum bei geöffnetem Fenster.

Trotz allem, habe ich es vergleichsweise gut erwischt. Ich breche nicht jeden Tag, die Übelkeit ist insgesamt erträglicher. Andere Frauen müssen sich bis zu 30 Mal am Tag übergeben. Obwohl die Ärztin HG diagnostizierte, ist es wohl eine sehr abgeschwächte Form - aber dennoch ekelig.

Kinderbetreuung und Kotzerei - keine gute Kombi
Das Problem: Ich habe eine zweijährige Tochter, die mit einer vor sich hindümpelnden Mutter wenig anzufangen weiß. Vormittags ist sie in der Krippe, aber nachmittags will sie spielen. Und ich kann nicht, es geht einfach nicht. Ich bin momentan ein Totalausfall. Als Mutter, Ehefrau, Hausfrau, Arbeitnehmerin. Und das tut mir so leid und so weh.

Es macht mich aber auch wütend. Ich könnte kotzen, wenn ich die ganzen strahlenden, fitten Schwangeren in Illustrierten, im TV oder im echten Leben auf der Straße sehe. Die mit ihren Kindern über den Spielplatz toben, ihr hübsch verpackten Babykugeln ins Büro oder ins Fitnessstudio schieben. Warum kann ich das nicht?

Ich hoffe, dass die Hyperemesis sich bald verabschiedet und ich wieder ein normales Leben leben kann. Habt ihr auch mit schlimmer Schwangerschaftsübelkeit zu kämpfen (gehabt)? Und wie habt Ihr Euer Leben (mit Kind) zu dieser Zeit gemeistert? Würde mich über Eure Erfahrungsberichte freuen. Schreibt gerne einen Kommentar oder einen eigenen Post, verlinkt mich bei Twitter und nutzt den Hashtag #hyperemesis.  Das ist keine offizielle Blogparade, würde mich aber trotzdem über Erfahrungsberichte freuen.

... to be continued...

Samstag, 23. April 2016

Welcome to my real life - oder: vom Schein und Sein #myrealkitchen #zeigteuch

Wie sieht das echte Leben - jenseits der Hochglanz-Instagram-Bilder vom "perfekten" Leben - aus? Ich folge Fridas Aufruf und zeige nicht nur meine #realkitchen, sondern noch mehr aus meinem (zurzeit leider ziemlich verlodderten) #reallife. Habt Erbarmen.

Zu schön um wahr zu sein, dass denke ich oft, wenn ich mir Bilder auf Instagram ansehe. Picobello aufgeräumte Wohnzimmer, blitzsaubere Designerküchen, liebevoll arrangierte Wohnaccessoires, keine überquellende Badezimmerregale - nichts ist überladen, jedes Detail sitzt. Selbst die Obstteller der Kinder gleichen kleinen Kunstwerken. Mamis Nagellack ist auch nach dem Spülen noch da, wo er hingehört und das #outfitoftheday eine Mischung stylisch und gewollt lässig.

Wie machen die das nur?, frage ich mich nicht ohne Neid. Warum sieht das bei mir, und warum sehe ich nie so aus? - obwohl ich mich durchaus als modisch und mit einem guten Geschmack gesegnet bezeichnen würde. Die Antwort: Das wahre Leben hält mich davon ab. Besonders zurzeit, da die Schwangerschaftsübelkeit mich und meine Wohnung dahinsiechen lässt.

Da kommt mir der Aufruf der lieben Frida von 2KindChaos zur Blogparade #myrealkitchen gerade recht. Ich möchte euch aber nicht nur meine echte Küche, sondern mehr aus meinem "echten", zurzeit leider ziemlich verloderten, Leben zeigen. Also los:

Meine Küche
Meine Schwangerschaftsdiät
Mein Abendbrottisch
Meine ungeschminkte Haut
mit Falten und Kartoffelnase
Mein Outfitoftheday



Mittwoch, 13. Januar 2016

Neue vom am schlechtesten schlafenden Kind der Welt - oder von Online-Glucken und Real-Life-Ferberern

Bild: Pixabay
Die Maus mutiert immer mehr zur Nachteule und bringt mich damit an den Rand der Verzweiflung. Denn scheinbar bin ich die einige Mama in meinem (Real-Life)Umfeld, die es nicht schafft, den Nachwuchs rechtzeitig und unverzüglich ins Land der Träume zu schicken. Und das obwohl ich mich zwischenzeitlich zur Schlafexpertin gelesen habe. Familienbett und Einschlafbegleitung scheinen jedoch jenseits meiner Online-Bubble Fremdwörter zu sein. Mache ich was falsch?


„Du bist selbst schuld, du hättest sie von Anfang an ins eigene Zimmer legen sollen“. „Du hättest nie damit anfangen dürfen, sie zu euch mit ins Bett zu nehmen“, Du hast sie halt verwöhnt und jetzt nutzt sie das aus“, „Sie hat keine Angst, wenn sie schreit, sie will nur ihren Willen“ – das ist ein kleiner Auszug der Sätze bzw. Vorwürfe, die ich mit tagtäglich anhören darf, wenn ich auf die – nun nennen wir sie mal – „Schlafproblematik“ der Maus zu sprechen komme. Scheinbar schlafen alle Kinder in meinem „Real-Life-Umfeld“ alleine in ihrem eigenen Bett in ihrem eigenen Zimmer – und das natürlich durch. Nur die Online-Muttis in meiner Twitter-Blase scheinen ähnlich ungezogene Schläfer zu haben oder sind einfach selbst zu verweichlicht.

Komisch. Verläuft die Grenze zwischen bedürfnisorientierter Erziehung und knallhartem Gehorsamkeitsdrill genau entlang des www? Oder sollten wir Social-Media-Mamas mal lieber öfter unsere Systeme runterfahren, einen tiefen Atemzug Realität nehmen und auch mal an unsere Bedürfnisse denken? Pampern wir zu sehr? Ich fühle mich manchmal gefangen zwischen zwei Welten, weiß nicht mehr, was richtig oder falsch ist und wie ich mich verhalten soll.

Hier unsere aktuelle Schlafsituation

Nachdem die Maus eigentlich immer (und das viel lieber) in ihrem eigenen Bett schlief, präferiert sie nun das elterliche Ehebett um ihr Nachtruhe abzuhalten. Schrieb ich Nachtruhe? Verzeihung, die meiste Zeit wühlt und wälzt sie sich über die Laken, weint und jammert im Schlaf (Traum), schreckt mehrfach hoch und verlangt nach Wasser und vertreibt damit immer mindestens einen Elternteil ins (verwaiste) Kinderzimmer. Bis es allerdings so weit ist und die Maus (wenigstens) kurz die Augen schließt, vergehen (manchmal) Stunden. Allabendlich muss einer von uns so lange bei ihr im Bett liegen, bis sie einschläft. Ich habe alles versucht, ihr das Alleineeinschlafen "beizubringen" – ohne Erfolg. Verlasse ich das Zimmer – auch nur um kurz mit Ankündigung was zu holen – weint und schluchzt sie herzzerreißend und ist kaum noch zu beruhigen. Dabei war das früher noch problemlos möglich. Da hat das Einschlafen nur Minuten gedauert und ging auch mal ohne Begleitung. Im eigenen Zimmer hat es allerdings noch nie geklappt. Und jetzt will sie noch nicht einmal in ihr vormals heiß geliebtes Kinderbett. Zunächst wollte sie nur kuscheln und ist dann später freiwillig rüber gegangen. Das klappt jetzt nicht mehr.

Neu ist auch das Mittagsschlaf-Drama. Pünktlich an Heilig-Abend stellte die Maus die mittägliche Auszeit ganz ein. Mittlerweile gelingt es uns, sie nach ca 2stündigem Bettgehopse in den Schlaf zu bringen. Aber auch hier nur im Elternbett. Während die Maus fröhlich singt und erzählt, stellt sich ihr aktueller Einschlafbegleiter schlafen, bis dies ihr zu langweilig wird und sie selbst die Augen schließt. In der Krippe kappt der Mittagschlaf seltsamerweise problemlos.

Was ist passiert? Haben wir was falsch gemacht? Nach Lektüre diverser Elternratgeber, Internetforen und Fachliteratur kommt ich zu dem Ergebnis: Nichts! Wir machen dich alles so schön nach Anweisung:
  • Strukturierter Tagesablauf
  • Feste Bettgehzeiten
  • Gutes Timing: D.h. ins Bett bevor die Übermüdung eintritt, das Kinde aber schon müde ist
  • Festes Abendritual
  • Viel Bewegung tagsüber an der frischen Luft
  • Keine aufregenden Sachen abends
  • Kein bzw. wenig Zucker abends
  • Heiße Milch zur Beruhigung
  • Viel Liebe und Nähe
  • Kurzes angekündigtes Rausgehen und sofortige Rückkehr BEVOR sie weint
  • Kuscheltier
  • Einschlafmusik
  • Hypno-Einschlafgeschichte (Das Kaninchen, das so gerne schlafen möchte)
  • ….
Und hat’s geholfen? Nein. Nur im Urlaub schläft sie gut (wenn auch nicht durch). Dann bleiben wir alle zusammen sehr lange auf und gehen gemeinsam ins Bett. Morgens wird dann halt länger geschlafen. Klappt wunderbar. Geht nur während der Arbeitswoche / Kitawoche nicht. Mein Verdacht: Die Maus ist in Wirklichkeit eine Nachteule. Eine, die von Monat zu Monat schlechter ein- und durchschläft. Dabei hatten wir uns eigentlich als guten Vorsatz vorgenommen, in diesem Jahr mit der „Auswilderung“ Teil 2 zu beginnen, und die Maus wieder ans eigene Zimmer zu gewöhnen. Einmal sind wir mit diesem Experiment ja schon grandios gescheitert. Was also tun?


Ferbern auf Rezept

Als ich bei der U7 die Kinderärztin um Rat fragte, legte sie mir doch tatsächlich das Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ ans Herz. Mit 2 Jahren sei die Maus jetzt soweit, das kontrollierte Schreien unbeschadet zu überstehen. Ich war geschockt. Ist Ferbern nicht in jedem Alter ein Akt der Grausamkeit? Oder war ich wieder einmal falsch informiert in meiner Online-Blase? Ich recherchierte im Netz und bestellte mir das Buch „Jedes Kind will schlafen“, die angeblich „sanfte Alternative“. Aber irgendwie scheint mir das hier propagierte „kontrollierte Trösten“ der „Tweddle Methode“ kaum weniger grausam. Allerdings wird hier noch eine weitere Variante vorgestellt, bei der man sich auf einem Stuhl neben das Kinderbett setzt und es sobald das Kind die Situation akzeptiert hat, jedes Mal ein Stückchen weiter weg rückt, bis man draußen ist. Gleiches beschreibt auch Elizabeth Pantley in „Ab ins Bett“ („Schlafen statt schreien“ für ältere Kinder). Und auch der inzwischen verstorbene Entwicklungsforscher und Kinderarzt Dr. Rüdiger Posth propagiert diese Methode. Werde sie wohl auch mal ausprobieren.


Was mich nun interessiert:

Was macht ihr: tweddeln, ferbern, Einschlafbegleitung? Oder gar nichts, da Euer Kinder gut schlafen? Ist meine Maus überhaupt noch normal? Warum tut sie sowas? Warum schläft sie mit zunehmendem Alter immer schlechter? Und hört das jemals aus?

Mittlerweile ist der Leidensdruck so hoch, dass sich dringend etwas ändern muss. Nach 2 Jahren ist mein Bedürfnis nach ungestörtem Schlaf und einem Ehebett nur für Eheleute so hoch, dass ich kurz davor bin, die bedürfnisorientierte Erziehung über Bord zu werfen. Ich kann und will einfach nicht mehr stundenlang am /im Bett sitzen/liegen und auf das Einschlafen warten. Außerdem möchte ich auch wieder mal zusammen mit meinem Mann in einem Bett schlafen. Alleine! So wird das nie was mit dem 2. Kind! Menno!
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