Montag, 11. September 2017

Aus dem Leben einer Teilzeitmutter in Vollzeit - Teil 2

Bild: pixabay.de
Ich konnte es nicht lassen. Auch im Juli habe ich die Online-Pause genutzt, um Tagebuch zu schreiben. (Wir haben September, ich weiß.) Langweilig? Vielleicht. Wilde Abenteuer habe ich nicht erlebt. Nur das ganz normale Mama-Business. Für alle, die es dennoch interessiert, bitte hier weiterlesen. 

6.55 Uhr:
Das Baby ist wach. Und ungeduldig. Es will nicht trinken, sondern raus aus dem Bett. Ich stelle mich tot. Die durchstillte Nacht steckt mir noch in den Knochen.

7.10 Uhr:
Quengle, quengel, nörgel. Das Baby kat keine Lust mehr. Ich mach das Licht an und ernte ein zuckersüßes, zahnloses Lächeln. Und einen kleinen Wutanfall. Die Große hält nämlich so rein gar nichts vom frühen Aufstehen. Zusammen schaffen der Mann und ich es dennoch irgendwie beide Kinder ausgehfertig zu machen.

8.05 Uhr:
Das Baby, das Mädchen und ich sitzen im Auto und düsen los Richtung Kita. Den Mann habe ich wieder zurück ins Bett geschickt. Schließlich arbeitet er meistens bis spät in die Nacht.

8.40 Uhr:
Das Baby und ich sind wieder zu Hause und machen es uns auf dem Wohnzimmerteppich gemütlich. Wir spielen und albern rum, bis ich das erste herzhafte Gähnen bemerke. Ja, der kleine Frühaufsteher wird leider genauso früh wieder müde. Hättest du mal länger geschlafen, mein Junge. Aber auf mich hört er ja nicht. Tsss, tsss. Ich stecke das Baby zum Bett ins Mann und fläze mich gemütlich mit einem Buch auf die Couch.

9.55 Uhr:
Das Baby ist wach. Jetzt müssen wir uns beeilen. Der Babyschwimmkurs fängt gleich an. Schnell die Sachen zusammenpacken, dem Jungen ein Fläschchen mixen und dann gehts los ins Hallenbad. Ich habe langsam das Gefühl, dass ich die meisten Vormittage im Chlorwasser verbringe. Irgendwelche Spätfolgen bekannt?

10.45 Uhr:
Stelle entsetzt fest, dass heute ein Fototermin im Schwimmbad ist. Und ich trage liefe Augenringe, meinen ältesten Badeanzug, wirr zusammengetüdelte Haare (ja, bei den Promis sieht das vielleicht stylish aus, bei mir leider nicht) und ein schreiendes Baby auf dem Arm. Doch wir sind beide Profis. Kaum ist das Kameraprojektiv auf uns gerichtet, zaubern wir unser strahlendstes Lächeln hervor und schaffen tatsächlich ein paar ganz passable Bilder. Die restliche Schwimmstunde vergeht ohne Schreierei, dafür aber mit viel vergnügtem Planschen.

11.55 Uhr:
Wir sind zurück zu Hause. Und sehr hungrig. Zum Glück wartet in der Küche der Mann mit aufgewärmter Pasta von gestern. Dem Baby mach ist schnell seinen Brei warm und dann wird gegessen.

12:30 Uhr:
Mittagspause. Das Baby schaukelt in der Federwiege in den Schlaf (Memo an mich selbst: Wir müssen ihm langsam mal das Geschaukel abgewöhnen) und ich ignoriere alle Hausarbeiten und ruhe mich auf dem Sofa aus.

14.15 Uhr:
Das Baby ist wach und wir fahren zusammen zur Kita, die Große abholen.

15.30 Uhr:
Der Mann ist mit der Großen in die Stadt gefahren, um ein paar Besorgungen zu machen. Ich beschließe mir das Baby auf den Rücken zu schnallen und mich ein wenig um den inzwischen leider sehr verwilderten Garten zu kümmern.

16.30 Uhr:
Nach einer Stunde Gartenarbeit mit 8-Kilo-Paket auf dem Rücken bin ich durchgeschwitzt, schmutzig und total zerstochen. Ich habe eine ominöse Beule auf der Stirn, sie aussieht wie ein fieser Insektenstich, aber nicht juckt. Das tun dafür die anderen Stiche um so mehr. Merke: Gartenarbeit ist sehr gefährlich. Und richtig "sauber" sieht der Garten hinterher leider auch nicht aus. Mit der Gartenarbeit ist es wie mit der Hausarbeit. Besser, man fängt erst gar nicht damit an. Denn kaum ist man mit einer Sache angefangen, fallen einem gleich mindestens 200 weitere auf, die dringend erledigt werden müssten und hinterher ist man total verzweifelt ob des Chaos und Drecks, in dem man da eigentlich lebt.

17.00 Uhr:
Das Baby spielt so vergnügt in seinem Laufstall, dass ich beschließe mich schnell um den gestern gekauften Blumenkohl zu kümmern und die Breivorräte aufzustocken.

17.20 Uhr:
Leider hat das Baby jetzt keine gute Laune mehr. Versuche mit Baby auf dem Arm Brei zu pürieren und veranstalte eine Riesen-Sauerei.

18.00 Uhr:
Die Große ist wieder da und gemeinsam essen wir Abendbrot und starten unser Abendprogramm. Ich beschließe, dem Baby langsam das In-den-Schlaf-Geschaukel abzugewöhnen und stelle mich auf einen langen Abend ein.

20.20 Uhr:
Ich kann es nicht glauben. Das Baby ist tatsächlich beim Stillen eingeschlafen. Ich hab Feierabend!

21.56 Uhr:
Ok, Feierabend beendet. Baby ist wieder wach. Die Nachtschicht beginnt.

3.00 Uhr: 
Ich will einfach nur schlafen. Das Gerade als ich das Baby nach dem ca. 128. Aufwachen wieder in den Schlaf gestillt hatte, wachte das Töchterlein auf uns verlangte eindrucksvoll kreischend nach Papa, der aber noch nicht wieder da war. Als ich sie endlich beruhigt hatte, war das Baby wieder wach, der nun seit 2 Stunden fröhlich vor sich hin blubbert und an Schlaf gar nicht erst denkt.

7.20 Uhr:
Irgendwann müssen wohl doch alle eingeschlafen sein, denn der Wecker klingelt und reißt mich mit schlummerndem Baby im Arm aus dem Tiefschlaf. Let the games begin. Again.



Montag, 4. September 2017

Aus dem Tagebuch einer Teilzeit- äh Vollzeitmutter.

Was habe ich in meiner Online-Pause eigentlich so den ganzen Tag gemacht? Nichts besonderes. Nur den ganz normalen Alltagswahnsinn. Real Life. Schonmal davon gehört? Für alle, die neugierig sind, habe ich hier mal einen Tag im Juni 2017 dokumentiert. 


Bild: pixabay.de

7.20 Uhr: Der Wecker klingelt und ich werde fast ohnmächtig. Ich bin doch gerade erst eingeschlafen. Jetzt haben der Mann und ich genau 40 Minute Zeit um Madame ausgefertigt zu machen und ins Auto zu bugsieren, um zur Kita zu fahren. Die hat heute morgen wieder mal richtig gute Laune. Nicht. "Nein, nicht das Licht anmachen. Ich will weiterschlafen. Nein, Mama, nein". Kreisch. Der Tag fängt gut an. Nur das Baby ist fröhlich und strahlt uns an.

8.13 Uhr: Geschafft. Das Mädchen, das Baby und ich sitzen im Auto. Und gefrühstückt haben wir auch. Ist zwar etwas später geworden als geplant, aber wir schaffen das.

8.30 Uhr: Gerade noch so pünktlich liefere ich die Maus in der Gruppe ab. Das Baby wird derweil von den anderen Krippenkindern geknuddelt. Mache mir Sorgen wegen möglicher ansteckender Krankheiten. Hat das Mädchen da vorne nicht nen fiesen Ausschlag am Mund? Und der Junge da ne Schnupfnase? Schnell weg.

8.45 Uhr: Der Mann hat sich wieder ins Bett gelegt. Es sei ihm gegönnt. Schließlich musste er die Nacht zuvor bis 2 Uhr arbeiten. Ich lege mich und das Baby dazu und lege ne gemütliche Frühstücksstillrunde ein. Danach drücke ich dem Mann das müde Baby in den Arm und verschwinde. Frühschwimmen. Jawoll. Diese Freiheit gönne ich mir.

10.00 Uhr: Bin 20 Minuten zügig durchs kalte Wasser gekrault und bin endlich richtig wach. Stehe in der Umkleidekabine und ziehe mich um, als das Telefon klingelt. "Wo bleibst du denn? Er ist wach und ich will wieder schlafen", jammert der Mann. Orr! Ich düse los.

10.30 Uhr: Nach nem kleinen Zwischenstopp bei DM, um die sich zu Ende neigenden Windelvorräte aufzustocken bin ich wieder zu Hause und nehme ein ausgeschlafenes Baby von einem übellaunigen, müden Mann in Empfang. Schnalle das Baby auf den Rücken und beginne mit der Hausarbeit. Tragen soll ja soo wichtig sein und dabei kann man ganz easy die lästige Hausarbeit erledigen. Alle Babys lieben es, eng am Körper getragen zu werden. Meins nicht. Es jammert und meckert, also nehme ich ihn nach 15 Minuten wieder runter. Einsam und allein auf seiner Krabbeldecke fühlt sich der Junge dagegen pudelwohl, und ich kann in Ruhe kochen.

11.30 Uhr: Auf dem Herd blubbert eine leckere Gemüsesuppe, die Einkäufe sind verstaut, die Spülmaschine ausgeräumt und die erste Waschladung des Tages dreht fröhlich ihre Runden in der Waschtrommel. Das Baby wird langsam hungrig und bekommt einen selbst gekochten Brei (jawoll, nach 2 Wochen mit Onkel Hipp, habe ich es wieder geschafft, Vorräte anzulegen) serviert.

12.15 Uhr: Der Mann ist halbwegs ausgeschlafen, dafür aber sehr sehr hungrig. Zum Glück ist die Suppe fertig und - tadaaa - schmeckt sogar. Das Baby wird ganz wild beim Anblick seiner essenden Eltern und will auch. Doch leider ist die Suppe sehr scharf gewürzt und daher nicht babytauglich. Jaja, ich weiß, ich hätte vorher etwas zur Seite legen und separat fürs Baby kochen können. Hab ich aber nicht. Dafür gibts ein Minicroissant auf die Hand und alle sind glücklich.

13.00 Uhr: Mittagspause. Das Baby ist schaukelt in der Federwege in den Schlaf, und ich hab es mir mit dem Buch in der Hand bequem gemacht. Der Mann hat endlich das Haus verlassen.

14.05: Baby wach, Mittagspause beendet. Schnell wickeln und dann ab zur Kita, die Maus holen. Zum Glück treffen wir dieses Mal auf keine potenziellen Seuchenherde in Form von anderen Kita-Kindern.


Wenn das Wetter andere Pläne hat


15.10 Uhr: Das Baby will wieder Brei. Die Maus spielen. Zum Glück ist der Mann wieder da und übernimmt die nächste Puzzlerunde. Eigentlich würden wir jetzt rausgehen, Spielplatz, Garten, Stadt, Park. Was man im Sommer eben so macht. Aber draußen geht gerade die Welt unter. Typisch Sommer halt. Wir sind gefangen Im Haus. Mpfr.

16.10 Uhr: Rettung naht. In Person meiner Schwägerin. "Tante Mia, Tante Mia." Die Maus bricht in Jubelschreie aus, das Baby brüllt. Es fremdelt. Tante Mia ist beleidigt.

17.15: Das Baby ist müde, schläft aber nicht. Dann eben nicht.

17.30 Uhr: Mama ist auch müde und beschließt, das Abendprogramm einzuläuten. Der Mann ist mittlerweile bei der Arbeit. Tante Mia auf dem Heimweg.

17.45 Uhr: Der Abendbrottisch ist gedeckt und der Babybrei gekocht. Das Baby mampft mit Genuss, bis es den Brotkorb samt Inhalt entdeckt. Also gut, gib's eben noch ein bisschen Fingerfood dazu.

18.30 Uhr: Nachdem die Maus den halben Kühlschrank leer gegessen hat, beschließt sie endlich, dass der Bauch nun voll sei und das Abendessen damit beendet. Die Wohnung sieht aus wie Sau. Unter dem Tisch liegen ca. 2,5 Kilo Essensreste und wir haben leider keinen Hund, der diese klammheimlich aufschlecken könnte. Im Wohnzimmer türmen sich 30 Trillionen Puzzleteile, die alle in die richtigen Kartons sortiert werden müssen. Zum Glück ist die Maus ihn Aufräumstimmung und zusammen schaffen wir es schnell, wieder Klarschiff zu machen.

18.45 Uhr: Endlich im Bad. Das Baby schaut aus der Wippe zu, wie ich mit viel Trickserei versuche, der Maus die Zähne zu putzen und die Abendbrotreste aus den langen Haaren zu pulen. Auch das Baby bekommt sein Fett weg.. äh... Wasser ab, denn das kleine Gesichtchen ist mit Haferbrei verschmiert und in den Halsfalten habe ich Reste von Brokkoli entdeckt. Von vorgestern.

19. 10 Uhr: Das Baby brüllt. Ausziehen, wickeln, das ist alles zu viel. Es ist müde und will schlafen. Doch zuerst muss ich noch die Maus einfangen. Die will nämlich partout nicht in ihren Schlafanzug, sondern lieber ihrem Stoffhund Nasentropfen verabreichen und dabei das Bauarbeiter-Lied singen.

19.45 Uhr: Endlich. Alle Schlafanzüge an. Alle liegen im Bett. Die Gute-Nachtgeschichte ist gelesen. Die Maus ist schon ganz schläfrig. Jetzt nur noch das Baby in den Schlaf schaukeln. Haha. Ich stelle mich auf einen langen Abend ein.

20.00 Uhr: Ich schleiche auf Zehenspitzen die Treppe runter und starre fassungslos auf mein Handydisplay. Acht Uhr und die Kinder schlafen. Das Baby ist doch tatsächlich beim Stillen eingeschlafen. Sowas passiert leider nicht oft.


Es ist doch nur eine Phase, oder?


20.30 Uhr: Ich genieße meinen Feierabend und bin dabei sehr effektiv. Ich schaue fern, lese einen Krimi, blättere in der neuen "Eltern", facebooke, verschicke Whats-App-Nachrichten und checke meinen Instagram-Account. Dazu stopfe ich mir abwechselnd Chips und Schokolade rein und spüle alles mit einem Liter Bio-Brause runter. Schließlich habe ich beim Abendessen auf die Kohlenhydrate verzichtet. Und wer weiß, wie lange so ein Feierabend dauert.

21.05 Uhr: Richtig gedacht. Ein Knarzen aus dem Babyphone kündigt es an. Das Baby ist wieder wach. Schnell flitze ich nach oben und stille den Jungen wieder in den Schlaf.

22:20 Uhr: Ok, mein Feierabend ist vorbei. Das Baby wieder wach, die Nachtschicht hat begonnen. Ich lege mich zu dem kleinen Quengel-Jungen ins Bett.

04.56 Uhr: Wann? Wann, lieber Gott, ist diese Phase endlich vorbei? Es ist doch  nur eine Phase, oder? Seitdem ich im Bett liege, ist das Baby stündlich wach. Kaum liegt es an der Brust und beginnt zu nuckeln, döst es wieder weg. Nur um kurze Zeit später wieder wach zu werden. Leider klappt das Wegdösen jetzt gar nicht mehr. Es ruckelt und rödelt an meiner Seite und schlägt dabei rythmisch mit seinen Patschehänden gegen meinen Arm. Ab und zu reißt es mir noch ein paar Haare aus. Auf der anderen Seite strampelt die Maus und tritt mir dabei alle fünf Minuten mit dem Fuß zielsicher in die Rippen. So kann ich echt nicht schlafen. Zum Glück ist der Mann wieder da und übernimmt den schlaflosen Jungen. Der protestiert leider. Also zurück zu mir. Irgendwann schlafen wir tatsächlich ein.



Freitag, 1. September 2017

Warum ich eine Pause brauchte

Zugegeben, die aktivste Bloggerin war ich noch nie. Aber in den letzten Monaten war es doch auffallend still auf dem Blog. Und nicht nur da. Auch auf Twitter und Instagram herrschte Sendepause. Ich tauchte ab. Ins Sommerloch. Und das tat so gut.

Bild: pixabay.de


















Was war passiert? 

Nix. Ich brauchte einfach eine Auszeit. Zum einen vom ständigen Online-Sein. (Ok, ich gebe es zu, so ganz konsequent war ich dabei nicht. Ich habe hier und da weiterhin gepielt, bin durch meinen privaten Facebook-Account gestromert, habe bei Amazon gebummelt etc. Aber die Mütter-Seiten ließ ich überwiegend links liegen.) Denn zum anderen hatte ich einfach keine Lust mehr auf Erziehung- und Elternthemen. Es ist einfach so anstrengend!


Es wird so viel geschrieben, diskutiert, es werden ständig neue Säue durchs Dorf getrieben. Ist Attachment Parenting nur was für helikopternde Prenzelberg-Müttern mit Hang zur totalen Selbstaufgabe? Wie lange muss ich mir die Nippel blutig beißen lassen um im elitären Club der Langzeitstiller aufgenommen zu werden? Bin ich eine karrieregeile Rabenmutter wenn  ich mein Kind noch vor dem 1. Geburtstag in die frühe Fremdbetreuung gebe? Wie geht nochmal die Wickelkreuztrage und warum schläft mein Kind nur im Kinderwagen aber nie kunstvoll an mir geknotet? So viele Fragen, noch mehr Antworten. Und mein Kopf brummte. Und was ist eigentlich mit dem Bauch? Darauf zu hören wirklich so verkehrt? Ich wollte das alles nicht mehr. Ich wollte weniger lesen, denken, diskutieren - dafür mehr machen. Einfach so. Aus dem Bauch heraus.


Und was hat es gebracht?

Mehr Zeit, mehr Entspannung. Ständig über richtig und falsch nachzudenken ist, einfach sehr zeitintensiv und anstrengend. Zeitweise habe ich sogar überlegt, den Blog ganz dichtzumachen und nur hier und da still mitzulesen. Aber ohne den seelischen Beistand von meinem Online-Clan geht es eben auch nicht. Und natürlich auch nicht, ohne sich hier und da schlau zu machen, zu lesen, nachzudenken, zu bewerten. Aber eben alles in Maßen. Manchmal ist es genau richtig, einfach mal zu chillen. Auch auf die Gefahr hin, Fehler zu machen. Wer ist schon perfekt?

Donnerstag, 1. Juni 2017

Meine Stillgeschichte

Bild: pixabay.de
Sechs Monate tue ich es nun. Alle zwei Stunden. Tag und Nacht. Manchmal auch öfter. Ich finde es schön, schrecklich, bequem, schmerzhaft, angenehm, lästig, ganz ok und achja - sooo gesund. Ich weiß, für die Langzeit-Stiller unter Euch sind sechs Monate nichts. Aber ich bin verdammt stolz darauf, so lange durchgehalten zu haben. Und nun will ich laaaaaangsam wieder meinen Köper zurück. Mein Baby ist mit diesem Plan leider gar nicht einverstanden. Aber mal ganz von vorn.


Wie alles begann

Meine große Tochter habe ich knapp sechs Monate voll gestillt, dann wurde sie leider nicht mehr satt.  (Warum auch immer. Milch war mehr als genug da.) Jaa, das war tatsächlich so. Mir wollte am Anfang auch niemand glauben ("Wachstumsschub", "Phase", "das denken alle Mütter", "blablabla"). Erst beim dritten Kinderarztbesuch mit einem dauerschreienden Baby ging es auf die Waage und siehe da: Die Maus hatte abgenommen. Ab sofort musste ich also zufüttern. Mit Erfolg: Mein hungriges Mädchen riss mir fast die Flasche aus der Hand und trank mit Begeisterung. Meine Brust war ab da out und damit begannen die gesundheitlichen Probleme (auf die ich hier nicht näher eingehen möchte). Nur so viel: Ich hatte Schmerzen, starke Schmerzen. Um es kurz zu machen: Ich ließ mich auf die im Nachhinein bescheuert Idee meiner Frauenärztin ein und stillte ab. Von einem Tag auf den anderen. Mit Abstilltabletten. Bitte macht das NIE, NIE, NIE! Die Nebenwirkungen sind heftig. Die körperlichen wie auch die seelischen. Von da an hatte ich also ein Flaschenkind. Und ich merkte schnell: Fläschchen geben ist echt nervig. Ständig schleppt man einen halben Chemiebaukasten mit sich rum, und nachts landet das heiße Wasser oder das Pulver schonmal wahlweise im Bett oder auf den Nachttisch statt im Fläschchen. Nun gut, die Maus war eine gute Esserin und schon bad reduzierten sich die Flaschen, nachts brauchte sie schon mit sieben Monaten keine mehr.

Alles auf Anfang

Bei Baby Nummer 2 sollte dann alles besser werden. Ich wollte unbedingt stillen und betete, dass es klappte und das Kind satt werden würde. Ich las viel, atmete alles on-und offline weg, was zum Thema Stillen geschrieben wurde und war am Ende überzeugt: Ich MUSS stillen. Unbedingt. Denn Flaschenmilch ist böse, nur Muttermilch ein wahres Wundermittel. (Zumindest wird das einem schnell suggeriert, wenn man in Ratgebern und Stillforen stöbert). Mein Baby sollte also nur die Brust bekommen. Mindestens ein Jahr lang. Gleichzeitig schwor ich mir aber auch, es nie wieder soweit kommen und mein Baby hungern zu lassen, mehr auf mein "Gefühl" zu hören.

Die Realität sah dann aber wie so oft ganz anders aus. Das Gute zuerst: Nach den üblichen Anfangsschwierigkeiten (Hilfe, wo ist die Brust, ich kann nicht andocken, wuhääää, da kommt nix), einem heftigen Milcheinschuss (bei der Großen habe ich ihn nich nicht einmal gemerkt) und einem anfänglichem Überangebot an Milch (wuhääää, da kommt zu viel auf einmal, zu schnell, ich verschlucke mich dauernd), lief es eigentlich ganz gut. Wenn man davon absieht, dass mir das Baby quasi 24 Stunden am Tag an der Brust klebte, aber das ist eine andere Geschichte...

Mit zunehmendem Alter jedoch wurde der Babyjunge (wie auch schon seine Schwester zuvor) immer neugieriger und ließ sich von jeder Kleinigkeit vom Trinken ablenken. Kombiniert mit ein paar heftigen Wachstumsschüben ergab das eine riesige Stillkrise. Baby schrie, dockte ab und an, schrie wieder, riss an der Brust, hört auf zu trinken, schrie vor Hunger, dockte wieder an und ab und... ach, es war grausam. Dafür trank das Söhnchen nachts alle 30 Minuten - klar, tagsüber kam ja auch kaum was rein ins aufgedrehte Babylein. Ich schwor mir, mit vier Monaten, also nach dem Minimum der empfohlenen Stilldauer, kommt die erste Flasche ins Spiel, dieses Theater halte ich nicht mehr länger aus. Kaum war die magische Viermonatsgrenze überschritten, sagte ich mir dann, "na, die acht Wochen schaffst du auch", dann sind die sechs Monate voll, ist ja auch viel besser, und damit die "Pflicht" nach WHO-Kriterien erfüllt.

Jetzt nach sechs Monaten denke ich: "Hmmm, gar nicht so übel. Klappt eigentlich ganz gut." Zwar ist mein Kleiner immer noch ein Zappelphilipp und dockt gerne mal ab beim Trinken, was dazu führt, dass ich, wenn wir unterwegs sind, gerne mal unfreiwillig oben ohne dasitze, aber nun gut, man stumpft ja irgendwann ab als Mutter. Von mir aus kann es also noch ein Weilchen so weiter gehen. Mit einer Ausnahme: Ich möchte zwischendurch auch mal ohne Baby rausgehen und ohne dafür tagelang vorher Muttermilch abpumpen zu müssen. Denn leider dauert diese Pumperei bei mir ewig. Ich möchte unbedingt wieder mit dem morgendlichen Schwimmen anfangen und den Mann dann einfach mit ner Packung Pre-Milch unbesorgt mit dem Baby zu Hause lassen können. Tja, nur leider trinkt das Baby die Milch nicht. Für mich ist dies der Horror - die Vorstellung ganz allein, mit meinen eigenen Körper für die Ernährung verantwortlich zu sein. Gut, es gibt zwar schon Brei, aber bei den Mini-Mengen dauert das Abstillen bestimmt noch bis zur Einschulung. Was also tun? Keine Ahnung. Mittlerweile bin ich mittelmäßig verzweifelt. Fest steht: Ich werde weiterstillen. Fest steht aber auch: Ich werde irgendwann abstillen. Und: Ich möchte unabhängiger werden. Ich probiere es also weiter mit dem Fläschchen, vielleicht findeter ja doch irgendwann Geschmack daran.

Fazit

Rückblickend kann ich sagen, dass ich das Stillen deutlich angenehmer finde als das Fläschchengeben, aber auch nicht so allein seeligmachend, wie oft beschrieben. Ich sehe es eher nüchtern: Stillen ist gesund, praktisch und kostenlos. Besonders kuschelig finde ich's bei meinen unruhigen Trinkern jedoch nicht. Da ist Fläschchengeben deutlich romantischer. Schließlich reißt einem da niemanden an empfindlichen Körperstellen rum. Achja: Von wegen Stillen tut nicht weh. Die ersten Wochen (besonders die ersten Tage) hatte ich beide Male höllische Schmerzen beim. Und das obwohl meine Babys stets korrekt angelegt waren, nix Wund oder gar blutig gescheuert war. Doch das verging mit der Zeit zum Glück. Dennoch würde ich mich immer wieder fürs Stillen entscheiden. Allein schon aus Faulheit. Nachts Pulvermilch anzurühren und ständig Flaschen und Sauger zu schrubben und auszukochen ist nämlich echt nervig.

Nachtrag:

Susanne Mierau von Geborgen Wachsen startete jüngst einen Aufruf, Werbung fürs Stillen zu machen und seine Stillgeschichte zu veröffentlichen. Auch wenn ich keine "Stillfanatikerin" bin, möchte ich mich gerne an dieser Aktion beteiligen, da ich Stillen nach wie vor wichtig und richtig finde.



Freitag, 5. Mai 2017

Das Wunschkind-Buch und ich

Ist das "Wunschkind-Buch" überhaupt praxistauglich? Oder bringt einen die Lektüre erst recht an den Rand des Wahnsinns? Kann man in Trotzphasen überhaupt entspannt bleiben? Was das Besteller-Buch von Katja Seide und Danielle Graf mit mir gemacht hat, möchte ich heute einmal kurz (öhm, naja, ist dann wohl doch etwas länger geworden) beschreiben.

Vorweg: 1. Ich mag eigentlich keine Erziehungsratgeber, aber seitdem ich Mutter bin, hat sich erstaunlicherweise doch das eine oder andere Exemplar davon in mein Bücherregal verirrt. 2. Ich finde das Buch "Das gewünschteste    Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn. Der entspannte Weg durch Trotzphasen" toll. 3. Mein Erziehungsstil ist nicht klassisch "ap" (attachment parenting), ich weiß gar nicht, was er ist - vermutlich irgendwas zwischen autoritär und laisser-faire. 4. Das wird nicht die dröfzigstausendste Buchrezension des Wunschkind-Buchs, sondern eine kurze Beschreibung über die Auswirkungen der Lektüre auf meinen Erziehungsalltag.

Zum Erstlingswerk der Autorinnen des Blogs "Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn" ist nämlich wahrlich viel geschrieben worden. Rezensionen um Rezensionen voll überschwänglichen Lobs für diesen etwas anderen Erziehungsratgeber, der stressgeplagten Eltern von Kleinkindern den Umgang mit ihren kleinen Trotzköpfen erleichtern soll. Doch auch Kritik macht sich breit. "Das ist ja in der Praxis gar nicht umsetzbar" so der Vorwurf - zuletzt hatte sich die Rabenmutti Yasmin darüber beklagt, wie der Versuch, die Ratschläge des Buches umzusetzen, sie fast an den Rande des Wahnsinns getrieben haben. Darum hier nur kurz meine Sicht der Dinge.

Ich verstehe das Buch nicht als Bedienungsanleitung für den Umgang mit meinem Kind. So verstehe ich überhaupt gar keinen Erziehungratgeber. Ich erziehe schließlich nicht mit Buch in der Hand, sondern mit dem Herzen. Und mit dem Verstand. Das Wunschkind-Buch finde ich toll, weil es sehr ausführlich aber leicht verständlich erklärt, warum Kinder so sind wie sie sind, warum sie trotzen, toben, schreien und sich in den unmöglichsten Situationen "daneben benehmen." Es schafft Verständnis für das Kind und erleichtert, die Welt aus der Kinderperspektive zu betrachten. Allein dies führt dazu, dass ich mich mehr entspanne. Ich weiß, dass mein Kind mich nicht absichtlich in den Wahnsinn treibt, dass es nicht böswillig und hinterhältig ist und ich keine Angst haben muss,  dass es zu einem verzogenen Balg heranwächst, wenn ich nicht ständig mit dem erhobenen Zeigefinger daneben stehe und mit Konsequenzen drohe. Die beschriebenen Alltagssituationen und Lösungsansätze sehe ich als Vorschläge, wie man es machen kann. Ich denke, jeder muss schauen, was letztlich zu einem passt, wie man mit schwierigen Situationen umgehen will. Aber die Autorinnen zeigen mir eine Fülle von Handlungsmöglichkeiten, aus denen ich mich bedienen kann oder auch nicht. Jeder pickt sich am besten das raus, was für ihn funktioniert. Aber allein das Verstehen des kindlichen Verhaltens hilft schon viel, um mit stressigen Situationen entspannter umgehen zu können.

Was läuft bei uns jetzt anders?
Nach der Lektüre des Buches weiß ich: Viele Dinge (klopf mir selbst auf die Schulter) mache ich anscheinend schon "richtig" (wenn man überhaupt von "richtig" und "falsch" sprechen kann.) Ich begleite meine Tochter immer durch ihre Trotzanfälle und zeige Verständnis für ihren Frust, ihre hilflose Wut (auch wenn ich mich am liebsten laut schreiend daneben legen würde). Bei anderen habe ich leider voll versagt. Folgende Dinge habe ich geändert:

  1. Ich überlege genau, ob ein "Nein" jetzt wirklich sein muss, versuche die "Neins" wohldosiert einzusetzen, damit sie nicht ihre Wirkung verlieren. 
  2. Ich versuche positiv zu sprechen, also nicht "Sei nicht so laut", sondern"sprich bitte leiser". 
  3. Wenn ich wütend bin, nehme ich mir eine "Auszeit" (wohlgemerkt, ich mir, nicht umgekehrt), sage meiner Tochter, dass mich die Situation (nicht sie) gerade sehr frustriert und wütend macht und ich mich mal kurz abreagieren muss. Dann gehe ich aus dem Zimmer, atme, mache ein paar Kniebeugen oder "Squats"(Wut abreagieren und am Knackarsch arbeiten, hey, das ist doch eine Win-Win-Situation". Danach umarme ich meine Tocher ganz fest und und wir reden über die vorangegangene Situation. Ich hoffe, damit auch ihr Strategien mit auf den Weg geben zu können, wie sie mit ihrer Wut umgehen kann. Das im Buch beschriebene "Schieben" fand ich auch sehr interessant, das muss ich aber noch ausprobieren. 
  4. Ich achte jetzt viel bewusster darauf, wie toll mein Kind kooperiert. Es gibt tatsächlich so viele Alltagssituationen die mir vorher selbstverständlich erschienen, die aber in den Tat beachtenswert sind. Beispiel: Bei uns gibt es die Regel (jawohl, voll altmodisch, ich weiß), dass jeder sich beim Hereinkommen von draußen, im Flur Schuhe und Jacke auszieht, alles ordentlich wegräumt und sich dann im Bad die Hände wäscht. Das alles macht meine Tochter alles ganz selbstständig, meistens ohne daran erinnert zu werden. Toll! Noch eins: Nach dem Abendessen räumen wir gemeinsam die Spielsachen zurück in die Kisten und machen Ordnung im Wohnzimmer. Auch das macht sie geradezu mit Freude. 
  5. Ich versuche tagtäglich ihren "Glückskessel zu füllen, ihr viel Aufmerksamkeit und Beachtung zu schenken. Denn gerade jetzt, mit einem neuen kleinen Bruder, möchte ich, dass sie sich nicht zurückgesetzt fühlt, sondern möglichst viel Beachtung findet.
  6. Wenn sie beim Abholen aus der Kita quengelt, weil ich mich wieder mal mit einer anderen Mutter verquatsche, weiß ich: mein Kind braucht mich jetzt. Es hat so lange so toll kooperiert, jetzt ist das Kind an der Reihe, und ich kürze das Gespräch ab, um mich voll meiner Tochter widmen zu können. (Beim Übergabegespräch mit der Erzieherin quengelt sie übrigens nicht, da merkt sie wohl, dass das wichtig ist, nur wenn es darüber hinaus geht, wird sie ungeduldig - ihr gutes Recht.)
Was mache ich bewusst immer noch "falsch"?
Das ist bestimmt eine ganze Menge und mehr als ich hier beschreiben kann und möchte:

  1. Ich bringe ihr bei, "bitte" und "danke" zu sagen . Ich weiß, das ist "dressieren", Kinder lernen durch gute Vorbilder, aber das dauert mir ehrlich gesagt zu lange. Ich  schwöre, ich bin in dieser Hinsicht wirklich ein überaus höfliches und gutes Vorbild, aber trotzdem sagt sie die "Zauberwörter" nicht. Und ja, ich gebe auch zu, es ist mir peinlich, wenn meine Tochter an der Fleischtheke im Supermarkt eine Scheibe Wurst geschenkt bekommt und sie sich nicht bedankt. Also erinnere ich sie daran. Denn mir sind gute Umgangsformen wirklich sehr wichtig. Da bin ich altmodisch. 
  2. Ich bin der Chef. Manchmal möchte ich mich nicht mehr "auf Augenhöhe" begeben, sondern klare Ansagen machen - von oben herab. "So machen wir das jetzt und nicht anders. Basta." zugegeben, sehr autoritär so ein Verhalten, aber in manchen Situationen durchaus angebracht. Denn letztendlich muss ich einen stressigen Alltag wuppen, mit Kind, mit Baby, mit Haushalt, bald wieder mit Job. Da habe ich nicht immer die Zeit und Geduld, jederzeit auf mein Kind einzugehen. Da muss es manchmal auch einfach mal mitlaufen, funktionieren und - ja- auch mal einfach "gehorchen". 
  3. Ich greife ab und zu auf "Wenn-Dann-Sätze" zurück. Einfach, weil es mir in manchen Situationen logisch und angebracht erscheint, auf Konsequenzen hinzuweisen. Und ja, auch als Druckmittel. "Wenn du dir nicht die Schuhe anziehst, werden deine Füße nass und du wirst dich erkälten". Keine Ahnung, ob das kindliche Hirn mit dieser Kausalkette überhaupt was anfangen kann, ich mach es trotzdem. 
  4. Ich schnuppere immer noch am Windelpo meines Babys - aber ich schwöre, ich mach das seeehr liebevoll. Das ist für mich der einfachste und schnellste Weg festzustellen, ob ein Wickelstopp eingelegt werden muss. Und das Baby quiekt so niedlich, wenn ich mit der Nase am Popo rieche.
Mein Fazit: 
Ich bedanke mich bei den Autorinnen Danielle Graf und Katja Seide für diesen wundervollen, liebevollen Ratgeber, der in erster Linie Verständnis fürs Kind schafft und dabei hilft stressigen Situationen entspannter zu begegnen ohne die Angst im Nacken, kleine Tyrannen  herauszuzüchten, wenn man nicht hart durchgreift. Auch wenn ich nicht alles 1:1 umsetzen kann und möchte. Aber ich glaube, so war das auch gar nicht gedacht.


Dienstag, 2. Mai 2017

Das Wochenbett. Oder: Der große Lagerkoller

Bild: pixabay.de













Kuscheltzeit, Baby-Moon - es gibt viele Wörter für diese ersten, so besonderen Wochen mit Baby: dem Wochenbett. Ich fand diese Zeit, besonders beim 2. Kind, jedoch alles andere als magisch.

Nach den endlosen, von starker Übelkeit geprägten Wochen der Schwangerschaft wollte ich so schnell wie möglich wieder raus in den Alltag, zurück in mein altes Leben. Denn in den vorangegangenen neun Monaten fand dies weitestgehend ohne mich statt. Ich vegetierte tagein tagaus im Bett oder auf dem Sofa vor mich hin und versuchte nebenbei eine unternehmenslustige Zweijährige zu bändigen. Ich wartete nur auf den Tag x, den Tag der Geburt, an dem dieses Elend vorüber sein würde. Undso war es dann auch.

Ausgebremst vom Klammeräffchen
Nach der (sehr schnellen und unkomplizierten) Geburt war ich im Nullkommanix wieder fit und voller Tatendrang. Der wurde allerdings jäh gebremst - von meinem kleinen, dauerdurstigen und extrem kuschelbedürftigem Baby. Alles normal, kein Grund zur Panik. Das wusste ich bereits. Dennoch traf mich dieses "doch ganz normale Babyverhalten" ziemlich unvorbereitet. Von meiner großen Tochter war ich nämlich etwas ganz anderes gewohnt. Sie schlief fast den ganzen Tag und auch immer ohne Probleme von alleine ein (bis auf nachts - aber das ist eine andere Geschichte.) Plötzlich hatte ich es also mit einem Klammeräffchen, einem echten Baby eben zu tun. Ablegen war nicht möglich, Dauerstillen angesagt.  Kaum hatte ich den Busen wieder eingepackt, quakte das Baby wieder los. So kam ich zu nichts. Ich verbrachte die Tage quasi oben ohne auf der Couch und dachte, mein Leben wäre zu Ende, ich könnte das Haus nie mehr verlassen. Selbst kurze Spaziergänge mit dem Kinderwagen (worauf ich mich so gefreut hatte, bei meiner Tochter liebte ich es, stundenlang durch die Gegend zu spazieren) waren nicht drin. Der kleine Herr bekam zuverlässig dann Hunger, wenn ich gerade losgeschoben war. Dazu kam, dass er nie von alleine einschlief. Kam die Müdigkeit, kam das große Geschrei. Ich tat also was getan werden musste. Schnallte mir das Baby vor den Bauch und tigerte durch die Wohnung. Tag und Nacht klebte mein Sohn an mir. Entweder an meinem Busen oder auf dem Bauch. Ich muss zugeben, obwohl es natürlich sehr kuschelig war, war ich manchmal ziemlich genervt. Ich wollte raus, Alltag, Leben. Auch mal alleine sein. Egoistisch? Ja, vielleicht. Aber so war es nun mal. Mit dem engen Klammern kam ich zunächst nur schwer zurecht.

Dazu kam, dass mein Mann jeden Abend arbeiten musste (Merke fürs nächste Mal: Heirate niemals einen Gastronom) und ich das anstrengende Abendprogramm mit zwei Kindern alleine bewerkstelligen musste. Das war der pure Horror vor mich. Das Baby schrie, sobald ich es ablegte, was ich aber zwingend musste, da ich mich ja um das Töcherlein kümmern und mich selbst auch mal umziehen und bettfertig machen musste. Ich gebe es ehrlich zu: ich war ganz schön überfordert und wusste nicht, wie ich allen gerecht werden sollte.



Meine Laune fuhr im Keller Achterbahn
Natürlich schafft man mit so nem Klammeräffchen nichts. Außerdem soll man das doch gar nicht, oder? Heißt doch schließlich Wochenbett. Da liegt man doch schön gemütlich rum und chillt. Dachte sich mein Mann (wie schon beim ersten Kind - orr, ich dachte echt, wir hätten das geklärt) aber anders. "Du machst ja nix, außer stillen", so sein Kommentar Ja, danke. Du mich auch. Mit Stillen waren meine Tage tatsächlich gut ausgefüllt. Vielmehr schaffte ich wirklich nicht. Obwohl ich wollte, Aber ich muss doch liegen, oder nicht? Tja nun, ich war ganz schön verwirrt und fühlte mich zwischen den unterschiedlichen Erwartungshaltungen hin und her gerissen. Auf der einen Seite der Wunsch nach Alttag meinerseits mit gleichzeitigem Erholungsanspruch (allein das ist ja schon schizophren) und auf der anderen Seite die Erwartung meines Mannes, nach den neun Monaten Totalausfall endlich wieder einsatztauglich zu sein. Davor hatte der den Laden ja größtenteils allein geschmissen. Die Stimmung zwischen uns wechselte von frostig zu eisig und wieder zurück, meine Laune fuhr im Keller Achterbahn.

Nach drei Wochen beschloss ich, das Wochenbett Wochenbett sein zu lassen und langsam in den Alltag zurückzukehren, Termine mit der Großen wahrzunehmen, Verabredungen zu machen etc. Ich verabschiedete mich von dem Gedanken, den ganzen Tag mich im Wochenbett erholen zu müssen, und das war auch gut so. Stück für Stück eroberte ich den Alltag zurück und lernte ihn zu beherrschen. Und alles entspannte sich.

Federwiege als Lebensretter
Eine große Hilfe war mir dabei die Federwiege "swing to sleep", auf die ich bei der lieben Mama Schulze gestoßen bin. Ein wahres Wunderding. Nach ein paar Sekunden Rumgewippe schlief mein Junge tatsächlich ein und für Stunden (!) weiter. Endlich konnte ich das Baby mal ablegen und hatte Zeit für mich. Auch ein paar Besuche beim Osteopathen brachten eine leichte Besserung bei seinen Unruhezuständen. Letztendlich denke ich, dass unser Sohnemann einfach ein bisschen mehr Zeit brauchte, um anzukommen in dieser Welt. Und ich, um mich an das Leben mit so einem Klammeräffchen zu gewöhnen.

Mittlerweile ist mein Baby übrigens super entspannt. Es schläft zwar immer noch schlecht ein (vom Durchschlafen sprechen wir lieber gar nicht) und hat einen schier unbändigen Appetit, den es wie ein Raubtier wild zappelnd an der Brust stillt (aua). Dafür ist mein Junge aber sehr zufrieden und überaus fröhlich. Wenn er satt und ausgeschlafen ist, kann er sich sogar prima selbst beschäftigen. Hauptsache wir sind irgendwo in der Nähe, Hauptsache er ist dabei. Ich glaube, wir sind alle angekommen im Leben zu Viert. Auch ohne super chilliges Wochenbett.

Edit:
Just als dieser Artikel fertig war, hat die liebe Motherbirth eine Blogparade zum Thema Wochenbett gestartet, bei der ich natürlich gerne mitmache. Hier gehts zur Blogparade


Freitag, 7. April 2017

Manchmal möchte ich.... raus aus dem Mütter-Wahnsinn

Ich weiß, man soll dankbar sein für das, was man hat und so. Und das bin ich ja auch. Meistens. Doch manchmal, ganz manchmal geht mir alles und jeder ganz gehörig auf den Keks. Dann will ich ausbrechen aus diesem bedürfnisorientierten Mütter-Wahnsinn und mein altes, egoistisches Leben zurück. 

Bild: pixabay.de

Manchmal möchte ich....

  • ... eine ganze Nacht ganz alleine durchschlafen. Am besten in einem schicken Hotel, ganz weit weg von meiner Familie.
  • ... das Familienbett aus dem Fenster werfen und eng gekuschelt mit meinem Mann im schnuckelig-kleinen Ehebett schlafen - nur wir zwei.
  • ... meinen Kindern das Schlafen beibringen.
  • ... alleine aufs Klo gehen.
  • ... mir Oropax ganz tief in die Ohren stecken, wenn das Baby brüllt.
  • .... sofort abstillen und zu festen Zeiten gut sättigende Einser-Milch füttern, in der Hoffnung, dadurch mehr Schlaf zu bekommen.
  • .... die Kinder um acht ins Bett stecken und einfach aus dem Zimmer gehen.
  • ... meine Still-BHs verbrennen und nur noch stilluntaugliche, eng anliegende Kleider tragen.
  • ... den ganzen Tag auf High-Heels durch die Stadt stöckeln, statt in bequemen Sneakers die Spielplätze der Stadt unsicher zu machen.
  • .... meinen Kindern nur Fertig-Fraß vorsetzen und das Kochen gänzlich einstellen.
  • ... die Wäsche-Berge ignorieren und einfach neue Klamotten kaufen, wenn die Kleiderschränke sich leeren.
  • .... endlich wieder ein Glas Weißwein trinken. Oder auch zwei. Oder drei....
  • .... wieder mit dem Rauchen anfangen, und mir mit fremden Menschen draußen den Arsch abfrieren, während wir gemeinsam unserem Laster frönen und neue Kontakte knüpfen.
  • .... Ungehemmt fluchen. Mir ganz bösen Wörtern.

Und jetzt bitte keinen Schreck kriegen. All dies habe ich natürlich noch nicht gemacht und habe es auch nicht vor. (Ok, außer das mit dem Klo.) Aber vielleicht gehe ich demnächst tatsächlich mal alleine in ein ganz schickes Hotel und betrinke mich mit Weißwein. Die Zigaretten lass ich aber stecken. Versprochen. 


Dienstag, 10. Januar 2017

Erkenntnisse einer frisch gebackenen Zweifach-Mama

Bild: pixabay.de

Und ich dachte, ich wüsste alles über Babys. Schließlich habe ich vor drei Jahren schon mal eins bekommen und mich bis heute ganz tapfer darin geschlagen, es großzuziehen. Ha! Jedes Baby ist anders. Hier 14 Erkenntnisse über mein Leben als Zweifach-Mama.


  1. Es ist definitiv genug Liebe für zwei Kinder da.
  2. Es sind definitiv nicht genug Hände, Arme, Beine und starke Nerven für beide Kinder da.
  3. Trotzkind plus Klammerbaby plus arbeitender Mann sind eine... äh... Herausforderung.
  4. Einer schreit (abends) eigentlich immer.
  5. Ein Kind ist nicht wie Urlaub. Zumindest nicht, wenn es gerade heftig trotzt.
  6. Nicht alle Babys schlafen den ganzen Tag
  7. Nicht alle Babys schlafen stundenlang im (stehenden) Kinderwagen.
  8. Wer stehenbleibt, verliert.
  9. Eine Babytrage kann Leben retten.
  10. Das Familienbett funktioniert. Auch mit Baby und Kleinkind
  11. Babys machen manchmal komische Geräusche beim Schlafen. Hier im Repertoire: die quietschende Tür, der Delfin und die verrückte Möwe. 
  12. Stillen ist nicht immer schön und entspannend, sondern gleicht manchmal einem Nahkampf. 
  13. Wer den ganzen Tag mit Quarkwickeln auf der Brust rumrennt, müffelt irgendwann nach saurer Milch.
  14. Diese roten Conealer, die Augenringe neutralisieren sollen, sind für DIE TONNE! (Oder mach ich was falsch?)
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