Dienstag, 2. Mai 2017

Das Wochenbett. Oder: Der große Lagerkoller

Bild: pixabay.de













Kuscheltzeit, Baby-Moon - es gibt viele Wörter für diese ersten, so besonderen Wochen mit Baby: dem Wochenbett. Ich fand diese Zeit, besonders beim 2. Kind, jedoch alles andere als magisch.

Nach den endlosen, von starker Übelkeit geprägten Wochen der Schwangerschaft wollte ich so schnell wie möglich wieder raus in den Alltag, zurück in mein altes Leben. Denn in den vorangegangenen neun Monaten fand dies weitestgehend ohne mich statt. Ich vegetierte tagein tagaus im Bett oder auf dem Sofa vor mich hin und versuchte nebenbei eine unternehmenslustige Zweijährige zu bändigen. Ich wartete nur auf den Tag x, den Tag der Geburt, an dem dieses Elend vorüber sein würde. Undso war es dann auch.

Ausgebremst vom Klammeräffchen
Nach der (sehr schnellen und unkomplizierten) Geburt war ich im Nullkommanix wieder fit und voller Tatendrang. Der wurde allerdings jäh gebremst - von meinem kleinen, dauerdurstigen und extrem kuschelbedürftigem Baby. Alles normal, kein Grund zur Panik. Das wusste ich bereits. Dennoch traf mich dieses "doch ganz normale Babyverhalten" ziemlich unvorbereitet. Von meiner großen Tochter war ich nämlich etwas ganz anderes gewohnt. Sie schlief fast den ganzen Tag und auch immer ohne Probleme von alleine ein (bis auf nachts - aber das ist eine andere Geschichte.) Plötzlich hatte ich es also mit einem Klammeräffchen, einem echten Baby eben zu tun. Ablegen war nicht möglich, Dauerstillen angesagt.  Kaum hatte ich den Busen wieder eingepackt, quakte das Baby wieder los. So kam ich zu nichts. Ich verbrachte die Tage quasi oben ohne auf der Couch und dachte, mein Leben wäre zu Ende, ich könnte das Haus nie mehr verlassen. Selbst kurze Spaziergänge mit dem Kinderwagen (worauf ich mich so gefreut hatte, bei meiner Tochter liebte ich es, stundenlang durch die Gegend zu spazieren) waren nicht drin. Der kleine Herr bekam zuverlässig dann Hunger, wenn ich gerade losgeschoben war. Dazu kam, dass er nie von alleine einschlief. Kam die Müdigkeit, kam das große Geschrei. Ich tat also was getan werden musste. Schnallte mir das Baby vor den Bauch und tigerte durch die Wohnung. Tag und Nacht klebte mein Sohn an mir. Entweder an meinem Busen oder auf dem Bauch. Ich muss zugeben, obwohl es natürlich sehr kuschelig war, war ich manchmal ziemlich genervt. Ich wollte raus, Alltag, Leben. Auch mal alleine sein. Egoistisch? Ja, vielleicht. Aber so war es nun mal. Mit dem engen Klammern kam ich zunächst nur schwer zurecht.

Dazu kam, dass mein Mann jeden Abend arbeiten musste (Merke fürs nächste Mal: Heirate niemals einen Gastronom) und ich das anstrengende Abendprogramm mit zwei Kindern alleine bewerkstelligen musste. Das war der pure Horror vor mich. Das Baby schrie, sobald ich es ablegte, was ich aber zwingend musste, da ich mich ja um das Töcherlein kümmern und mich selbst auch mal umziehen und bettfertig machen musste. Ich gebe es ehrlich zu: ich war ganz schön überfordert und wusste nicht, wie ich allen gerecht werden sollte.



Meine Laune fuhr im Keller Achterbahn
Natürlich schafft man mit so nem Klammeräffchen nichts. Außerdem soll man das doch gar nicht, oder? Heißt doch schließlich Wochenbett. Da liegt man doch schön gemütlich rum und chillt. Dachte sich mein Mann (wie schon beim ersten Kind - orr, ich dachte echt, wir hätten das geklärt) aber anders. "Du machst ja nix, außer stillen", so sein Kommentar Ja, danke. Du mich auch. Mit Stillen waren meine Tage tatsächlich gut ausgefüllt. Vielmehr schaffte ich wirklich nicht. Obwohl ich wollte, Aber ich muss doch liegen, oder nicht? Tja nun, ich war ganz schön verwirrt und fühlte mich zwischen den unterschiedlichen Erwartungshaltungen hin und her gerissen. Auf der einen Seite der Wunsch nach Alttag meinerseits mit gleichzeitigem Erholungsanspruch (allein das ist ja schon schizophren) und auf der anderen Seite die Erwartung meines Mannes, nach den neun Monaten Totalausfall endlich wieder einsatztauglich zu sein. Davor hatte der den Laden ja größtenteils allein geschmissen. Die Stimmung zwischen uns wechselte von frostig zu eisig und wieder zurück, meine Laune fuhr im Keller Achterbahn.

Nach drei Wochen beschloss ich, das Wochenbett Wochenbett sein zu lassen und langsam in den Alltag zurückzukehren, Termine mit der Großen wahrzunehmen, Verabredungen zu machen etc. Ich verabschiedete mich von dem Gedanken, den ganzen Tag mich im Wochenbett erholen zu müssen, und das war auch gut so. Stück für Stück eroberte ich den Alltag zurück und lernte ihn zu beherrschen. Und alles entspannte sich.

Federwiege als Lebensretter
Eine große Hilfe war mir dabei die Federwiege "swing to sleep", auf die ich bei der lieben Mama Schulze gestoßen bin. Ein wahres Wunderding. Nach ein paar Sekunden Rumgewippe schlief mein Junge tatsächlich ein und für Stunden (!) weiter. Endlich konnte ich das Baby mal ablegen und hatte Zeit für mich. Auch ein paar Besuche beim Osteopathen brachten eine leichte Besserung bei seinen Unruhezuständen. Letztendlich denke ich, dass unser Sohnemann einfach ein bisschen mehr Zeit brauchte, um anzukommen in dieser Welt. Und ich, um mich an das Leben mit so einem Klammeräffchen zu gewöhnen.

Mittlerweile ist mein Baby übrigens super entspannt. Es schläft zwar immer noch schlecht ein (vom Durchschlafen sprechen wir lieber gar nicht) und hat einen schier unbändigen Appetit, den es wie ein Raubtier wild zappelnd an der Brust stillt (aua). Dafür ist mein Junge aber sehr zufrieden und überaus fröhlich. Wenn er satt und ausgeschlafen ist, kann er sich sogar prima selbst beschäftigen. Hauptsache wir sind irgendwo in der Nähe, Hauptsache er ist dabei. Ich glaube, wir sind alle angekommen im Leben zu Viert. Auch ohne super chilliges Wochenbett.

Edit:
Just als dieser Artikel fertig war, hat die liebe Motherbirth eine Blogparade zum Thema Wochenbett gestartet, bei der ich natürlich gerne mitmache. Hier gehts zur Blogparade


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